Ektomie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 3. August 2016
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Die Ektomie bezeichnet die vollständige Entfernung eines Organs mit klar umrissener Struktur. Der Begriff bezieht sich dabei auf innere Organe, die Entfernung äußerlich sichtbarer Organe wird als Amputation bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ektomie?

Der Begriff Ektomie leitet sich vom griechischen Wort ἐκτομή für "herausschneiden" ab. Alternativ verwenden Mediziner den Begriff der Totalexstirpation. Von einer Ektomie ist die Rede, wenn ein in seiner Struktur klar umrissenes Organ vollständig chirurgisch entfernt wird. Häufig geschieht dies in der operativen Behandlung von bösartigen Tumoren - solange eine Ektomie des betroffenen Organs möglich ist, bestehen noch reelle Heilungschancen.

Weitere Indikationen für eine Ektomie sind Entzündungen von nicht lebenswichtigen Organen, etwa im Falle der Entfernung der Mandeln. Wird nur ein Teil des Gewebes entfernt, spricht der Chirurg von der Resektion. Resektionen und Ektomien werden verallgemeinernd als Exstirpationen bezeichnet, dabei können entweder Organe als Ganzes oder nur in Teilen entfernt werden.

Vor der Entscheidung für eine Ektomie wird immer abgewogen, ob nicht auch eine Resektion die gewünschte Linderung verschaffen würde, da häufig die Funktion des Organs anschließend medikamentös ersetzt werden muss.

Anwendung und Funktion

Die häufigste Indikation für Ektomien sind Krebserkrankungen. Zunächst wird versucht, dem Patienten mit einer Tumorresektion zu helfen, da somit das Organ erhalten bleiben kann. Ist das unmöglich, wird eine Ektomie des befallenen Organs erwogen. Die Ektomie stellt dabei die ultima ratio dar und gründet auf die Annahme, dass der Tumor noch nicht oder zumindest nicht weit gestreut hat.

Kann das befallene Organ in seiner Funktion medikamentös ersetzt werden, so kann der Krebs womöglich durch die Ektomie geheilt werden. Weitere Indikationen sind schwere Erkrankungen innerer Organe. Bei Lungenerkrankungen können sich etwa Bulla bilden, die als eigenständige Struktur zu betrachten sind und Raum einnehmen, was zur Atemnot führen kann - bei deren Entfernung, der Bullektomie, handelt es sich ebenfalls um eine Ektomie.

Weitere Fälle sind Hämorrhoiden, Mandelentzündungen oder die Blinddarmentzündung. Schlussendlich kommt die Ektomie auch auf Patientenwunsch in Frage, beispielsweise bei der Sterilisation oder der Geschlechtsumwandlung.

Methoden und Verfahren

Das Verfahren der Ektomie ist abhängig vom zu entfernenden Organ. Sitzt es in einer schleimhautreichen Region, kann die Ektomie einfach ausfallen, etwa bei einer Mandelentfernung. Diese schmerzt zwar unmittelbar nach der Operation, verheilt jedoch auch schnell.

Schwieriger gestalten sich komplexe Ektomien wie die Entfernung von Geschlechts- oder Reproduktionsorganen, was bei Erkrankungen oder zwecks einer Geschlechtsumwandlung durchgeführt wird. In letzterem Falle geht es beim Eingriff nicht ausschließlich um die Ektomie, sondern der Chirurg berücksichtigt die Möglichkeit der Erhaltung mancher Strukturen zur Neuformung von Geschlechtsorganen.

Auch werden bei manchen Ektomien Spenderorgane im gleichen operativen Eingriff transplantiert, was interdisziplinäre Operationsteams notwendig macht.

Was muss der Patient beachten?

Bei der Ektomie handelt es sich um eine Operation unter Vollnarkose. Somit bestehen bekannte Operationsrisiken, über die der Patient im Vorgespräch aufgeklärt wird. Das Krankheitsbild des Patienten kann im Einzelfall weitere Voruntersuchungen notwendig machen. Sofern es sich um ein funktionelles Organ handelt, wird der Patient zuvor auch über die Lebenssituation nach der Entfernung aufgeklärt, da es sein kann, dass er ein Leben lang auf Medikamente angewiesen sein wird.

Zur Operation muss der Patient nüchtern sein, wozu er meist schon vorher stationär aufgenommen wird. Besonders wichtig ist die Ektomie-Nachsorge: Wundversorgung, Infektionsschutz sowie bei Bedarf die Einleitung eines medikamentösen Ersatzes für das entfernte Organ müssen durch das Pflegepersonal gewährleistet sein.

Zu erwarten sind Schmerzen der Operationsnarben, bei gleichzeitiger Organtransplantation erhält der Patient Immunsuppressiva. Da die Nachsorge bei Ektomien aufwendig sein kann und Komplikationen auftreten können, verbleibt der Patient Tage bis Wochen danach im Krankenhaus.

Ablauf und Durchführung

Der Patient wird für die Ektomie im Anschluss an das Vorgespräch und die stationäre Aufnahme unter Vollnarkose operiert. Je nach betroffenem Organ wird der Chirurg bei der Ektomie durch bildgebende Verfahren oder ein interdisziplinäres Team unterstützt, das etwa sofort im Anschluss an die Ektomie das nächste Operationsverfahren wie eine Transplantation übernehmen kann.

Über den genauen Verlauf der Ektomie wird der Patient vor seinem Einverständnis zur Operation eingehend aufgeklärt, da es bei jedem Organ und meist auch bei jedem Patienten anders ausfällt.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die meisten Ektomien sind aufgrund von Erkrankungen medizinisch indiziert. Deswegen werden sie von der Krankenkasse vollständig übernommen.

Die Ausnahme sind Ektomien, die auf Patientenwunsch geschehen, etwa die Geschlechtsumwandlung oder eine Entfernung des Blinddarmes aus Vorsicht ohne akute Entzündung. In Ausnahmen kann der behandelnde Arzt in diesen Fällen jedoch verargumentieren, dass die Ektomie erforderlich ist, so etwa bei einer Entfernung der Mandeln bei häufig aufgetretener Mandelentzündung im Vorfeld.

Sollte es bei einer Ektomie auf Patientenwunsch jedoch zu Komplikationen während der Operation oder besonderen Behandlungsbedarf bei der Nachsorge kommen, etwa durch infizierte Wunden, übernimmt die Krankenkasse wiederum die entstandenen Kosten.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Während und nach einer Ektomie kann es zu starken Blutungen, Herz-Kreislauf-Problemen des Patienten und ähnlich ernsten Reaktionen des Körpers, Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen kommen. Dies sind normale OP-Risiken, hinzu kommen organabhängige Risiken im Einzelfall.

Ektomien lebenswichtiger Organe erfordern die anschließende Transplantation von Spenderorganen, sodass die Risiken einer Transplantation wie die Abstoßung des Organs hinzukommen. Auch bei der Transplantation im Anschluss an die Ektomie kann es schon zu Schwierigkeiten wie der ausbleibenden Durchblutung des Spenderorgans durch den Empfängerkreislauf kommen.

Ektomien hormonproduzierender Organe erfordern im Anschluss an die OP umgehend eine lebenslange Ersatztherapie, die vom Patienten bis zur richtigen Einstellung des Medikaments möglicherweise schlecht vertragen wird - dasselbe gilt für Ektomien von Organen, die anschließend in ihrer Funktion ersetzt werden müssen oder fehlen, sodass der Patient sofort nach der OP seine Lebensgewohnheiten umstellen muss.

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