Eiter unter dem Nagel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. April 2017
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Eiter unter dem Nagel entsteht durch eine Nagelentzündung. Dabei wird zwischen einer Nagelbett- und einer Nagelwallentzündung unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Eiter unter dem Nagel?

Zu den häufigsten Begleiterscheinungen von schmerzhaften Nagelentzündungen gehört die Ansammlung von Eiter unter dem Nagel. Eiter bildet sich durch eine Gewebeeinschmelzung und gilt als biologisches Abbauprodukt des Körpers. In der Regel stellt der Eiter eine gelbliche Absonderung dar und entsteht durch eine Entzündungsreaktion in den Zellen. So ist die Eiterbildung ein Signal, dass der Organismus gegen eine Entzündung ankämpft. Zu diesen Entzündungen gehört vor allem die Nagelentzündung, die entweder an einem Zehennagel oder einem Fingernagel auftritt.

Finger- und Fußnägel setzen sich aus dem Nagel, der wiederum aus Keratin besteht, der Nagelplatte, der Nagelfalz, dem Nagelwall sowie dem Nagelbett zusammen. Zwischen Nagelplatte und dem darunter befindlichen Nagelbett besteht eine feste Verbindung. An den Rändern des Nagels erfolgt ein nahtloser Übergang in die tieferen Hautschichten. An seinen Seiten umgibt eine Hautfalte den Nagel. Während die beiden Seitenabschnitte die Bezeichnung Nagelfalz tragen, handelt es sich um den Bereich an der Nagelwurzel um den Nagelwall, der von einem Nagelhäutchen überzogen wird.

Die Übergangsregion zwischen Haut und Nagel ist jedoch überaus anfällig für Infektionen. Kommt es zu Verletzungen von Nagelfalz oder Nagelhaut, besteht die Gefahr, dass schädliche Keime in den Organismus vordringen und sich auf Nagelwall und Nagelbett ausbreiten, wo sie eitrige Entzündungen hervorrufen. Je nachdem an welcher Stelle die Entzündung des Nagels vorkommt, differenzieren Ärzte zwischen einer Nagelwallentzündung und einer Nagelbettentzündung.

Ursachen

Eiter unter dem Zehen- oder Fingernagel bildet sich im Rahmen von verschiedenen Infektionen. Die meisten eitrigen Entzündungen zeigen sich in der empfindlichen Übergangsregion zwischen Nagel und angrenzender Haut. Verantwortlich für die Infektionen sind Bakterien. Dazu gehören in erster Linie Streptokokken und Staphylokokken. In manchen Fällen können aber auch Pilze für eine Entzündung verantwortlich sein. In den Körper gelangen die Mikroorganismen durch kleine verletzte Stellen an der Nagelfalz oder der Nagelhaut. Von dort aus vermehren sie sich und dringen weiter in das angrenzende Gewebe vor.

Nicht selten werden die kleinen Hautverletzungen durch eine zu intensive Pflege der Fuß- oder Fingernägel ausgelöst. Zu den häufigsten Ursachen für Eiterbildung unter dem Fußnagel gehört der eingewachsene Zehennagel, der in der Regel am großen Zeh auftritt. Verantwortlich für einen eitrigen eingewachsenen Zehennagel sind zumeist das falsche Schneiden der Großzehe oder das Tragen von zu engen Schuhen. Durch den Druck kommt es zu einer Verschiebung des Nagelrands ins Nagelbett, was wiederum die Haut reizt und eine meist eitrige Entzündung nach sich zieht. Mitunter wird das Einwachsen eines Zehennagels auch vererbt.

Ebenfalls gefährdet für eine eitrige Nagelentzündung sind Menschen, die häufig an ihren Fingernägeln kauen. Aber auch Nagelverletzungen wie Quetschungen zählen zu den Auslösern von Eiterbildung unter dem betroffenen Nagel. Ein hohes Risikopotential für Nagelentzündungen besteht außerdem bei Diabetikern. So kommen diese bei ihnen häufiger vor als bei gesunden Personen.

Begleitet wird das Entstehen von Eiter unter dem Nagel von Rötungen, einem Anschwellen des Gewebes, Überwärmung und Schmerzen. Letztere treten in erster Linie bei Berührung der vereiterten Stelle auf. In manchen Fällen ist auch ein rhythmisches Pochen zu verspüren. Die starken Schmerzen sind auf den Druck des Eiters, der sich unter dem Nagel angesammelt hat, zurückzuführen. So gelangt der Eiter bei einer Nagelentzündung nur schwer nach außen, sodass seine Ansammlung im Gewebe die Folge ist. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich die Infektion weiter ausbreitet und Weichteile, Gelenke, Knochen oder Sehnenscheiden befällt. Weniger schmerzhaft als die akute eitrige Nagelentzündung verläuft die chronische Form. Diese zeigt sich oftmals an mehreren Nägeln.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Eiter unter dem Nagel entwickelt sich häufig bei einer Entzündung des Nagels oder Nagelbettes. In den meisten Fällen heilt es nach ungefähr einer Woche selbständig aus. Nagelbeschädigungen haben äußere Ursachen oder können durch eine Mangelerscheinung des Organismus ausgelöst werden.

Um die inneren Beschwerden abzuklären, ist ein Arzt zu konsultieren. Dieser führt entsprechende Tests durch, um die den Mangel des Vitamins oder Mineralstoffes aufzeigen. Bei den äußeren Ursachen ist die Nagelpflege zu überprüfen und zu optimieren. Hilfreiche Unterstützung kann dabei ein Hautarzt geben.

Bei einem Schnitt in den Finger kann es nach Verunreinigungen der Wunde zu einer Bildung von Eiter kommen, der sich unter dem Nagel ausbreitet. Die Wunde verheilt innerhalb der nächsten Tage und benötigt keine ärztliche Betreuung. Hält die Eiterbildung über eine längere Zeit an oder breitet sie sich weiter aus, ist es ratsam einen Arzt zu konsultieren. Es können sich Erkrankungen wie eine Diabetes, eine Knochenentzündung oder eine Infektion hinter dem Symptom Eiter unter dem Nagel verbergen.

Es ist ebenfalls ein Arzt aufzusuchen, wenn sich weitere Beschwerden wie Schmerzen oder eine Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit des entsprechenden Fingers einstellen. Entsteht der Eiter nach einem Unfall oder einer Quetschung, kann nur ein Arzt abklären, ob weitere oder dauerhafte Beschädigungen des Fingers vorliegen.

Diagnose und Verlauf

Geht die Eiterbildung nach drei Tagen nicht wieder zurück und leidet der Patient unter starken Schmerzen sowie einer Schwellung, ist es ratsam, sich an einen Arzt zu wenden. Der Mediziner kann die Nagelentzündung in der Regel schon anhand der typischen Symptome feststellen. In manchen Fällen macht er einen Abstrich von der vereiterten Hautstelle. Diese Probe wird anschließend in einem Labor unter dem Mikroskop genau analysiert, um den Krankheitserreger zu identifizieren. Besteht Verdacht auf eine chronische Nagelentzündung, erkundigt sich der Arzt nach den Lebensgewohnheiten des Patienten und forscht nach den möglichen Ursachen.

Der Verlauf einer eitrigen Nagelentzündung hängt von deren Ausmaß ab und wann eine Behandlung erfolgt. So kann es durch eine unbehandelte Entzündung des Nagels zu Komplikationen wie Knochenentzündungen oder Sehnenscheidenentzündungen kommen, die sehr schmerzhaft sind und eine aufwendige Therapie erfordern. Wird die eitrige Entzündung jedoch frühzeitig medizinisch behandelt, kann schon nach wenigen Tagen mit ihrer Abheilung gerechnet werden. Da es sich bei dem Eiter unter dem Nagel um eine Begleiterscheinung der Entzündung handelt, verschwindet er bei deren Besserung ebenfalls wieder.

Behandlung und Therapie

Zur Behandlung einer eitrigen Nagelbettentzündung ist das Austreten des Eiters notwendig. Zu diesem Zweck wird ein kleiner chirurgischer Eingriff vorgenommen, bei dem der Patient eine lokale Betäubung erhält. Bei einer oberflächlichen Nagelbettentzündung genügt meist schon ein feiner Schnitt am Nagelwall entlang. Geht die Entzündung dagegen tiefer, bedarf es des Freilegens des Nagelrands. Befindet sich die Eiteransammlung unter dem Nagel, wird dieser eröffnet oder sogar komplett entfernt. Auf diese Weise fließt der Eiter nach außen ab, was rasch zur Besserung der Beschwerden führt.

Wird die eitrige Entzündung des Nagels durch einen eingewachsenen Zehennagel verursacht, entfernt der Chirurg die betroffene Nagelecke, die sich in das Gewebe bohrt. Danach geht die eitrige Entzündung schnell wieder zurück. Da die wunde Stelle die ersten Tage überaus empfindlich reagiert, sollte sie mit einem Verband oder Pflaster zeitweilig vor Reizungen geschützt werden.



Vorbeugung

Tritt eine eitrige Nagelentzündung häufiger auf, wird empfohlen, zur Vorbeugung die auslösenden Faktoren zu meiden. Von Bedeutung sind außerdem eine behutsame Nagelpflege sowie das Tragen von gut passenden Schuhen.

Bücher über Nagelprobleme

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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