Einseitige Schluckbeschwerden

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. Mai 2017
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Einseitige Schluckbeschwerden können auf vielen verschiedenen Ursachen beruhen. In der Regel treten einseitige Schluckbeschwerden kurzfristig und vorübergehend im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten auf. Sie können in selteneren Fällen jedoch auf schwerwiegendere Erkrankungen hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind einseitige Schluckbeschwerden?

Alle Formen von Schluckbeschwerden werden in der Medizin durch den Fachbegriff Dysphagie zusammengefasst. Unter Schluckbeschwerden wird im Allgemeinen die Schwierigkeit, normal herunterzuschlucken, verstanden. Im Zusammenhang mit Schluckbeschwerden können Schmerzen auftreten. Einseitige Schluckbeschwerden meinen ein Beschwerdebild, bei dem die Schwierigkeit, normal herunterzuschlucken, lediglich auf eine Halsseite beschränkt ist oder auf einer Halsseite deutlich stärker ausgeprägt ist. Häufig werden die Beschwerden auch als Gefühl von einem Kloß im Hals beschrieben.

Ursachen

Einseitige Schluckbeschwerden können auf verschiedenen Ursachen beruhen. In den meisten Fällen treten sie im Zusammenhang mit den typischen Erkältungskrankheiten, also dem oft irrtümlich als Grippe bezeichneten grippalen Infekt oder einer echten Grippe, auf. Meistens bestehen dann zeitgleich Halsschmerzen. Einseitige Schluckbeschwerden können aber auch völlig andere Ursachen haben. Gerade bei einseitigen Schluckbeschwerden kann die Ursache auch in einer Mandelentzündung, bei der die Mandeln nicht unbedingt symmetrisch anschwellen, bestehen.

Möglich ist aber auch, dass sich infolge einer eigentlich bereits abklingenden oder abgeklungenen Halsentzündung ein sog. Peritonsillarabszess bildet, der starke einseitige Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auslösen kann. Hierzu kommt es, wenn sich eine Halsentzündung in das umliegende Gewebe ausbreitet und sich dort abkapselt. Hierbei entsteht ein Abszess, der mit Eiter gefüllt ist. Eine weitere mögliche Ursache ist eine sog. Angina Plaut Vincent. Hierbei handelt es sich um eine Hals- bzw. Mandelentzündung, bei der zwei bestimmte Bakterienarten gleichzeitig beteiligt sind. Hierdurch entsteht eine ulzeröse, das heißt geschwürartige, Form der Mandelentzündung, bei der wuchernde Veränderungen auf der Mandeloberfläche zu beobachten sind. Eine weitere, wenn auch seltene Ursache, für einseitige Schluckbeschwerden ist eine akute Schilddrüsenentzündung. Darüber hinaus können durchbrechende Weisheitszähne die Ursache für einseitige Schluckbeschwerden sein. Können die Weisheitszähne zum Beispiel aus Platzgründen nicht weiter wachsen, kommt es häufig zu entzündlichen Prozessen rund um den auf diese Weise eingeschlossenen Zahn. Hierbei können sich mit Flüssigkeit gefüllte Zysten im Zahnfleisch bilden und sich entzünden. Eine solche Entzündung kann bis in den Hals ausstrahlen und dort zu einseitigen Schluckbeschwerden führen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Einseitige Schluckbeschwerden sind häufig erste Anzeichen einer Erkältung, Infektion oder Entzündung des Rachens. Diese Erkrankungen werden durch Viren oder Bakterien ausgelöst, die durch ihre schnelle Verbreitung zu einer Zunahme der Beschwerden führen. Treten daher weitere Symptome wie Husten, Fieber oder Magen-Darm-Probleme auf, ist ein Arzt aufzusuchen. Es besteht eine Ansteckungsgefahr und ohne eine medizinische Hilfe kommt es häufig zu einem Schwächezustand, bei dem vorübergehend alltägliche Aufgaben nicht mehr wie gewohnt ausgeführt werden können.

Die Bildung eines Tumors im Hals oder Rachen kann zu einseitigen Schluckbeschwerden führen. Da der Erfolg und die Heilungschancen bei einer frühzeitigen Diagnosefeststellung steigen, sollte ein Arzt konsultiert werden, sobald die Schluckbeschwerden über mehrere Tage ohne weitere Symptome auftreten.

Zahnschmerzen, Kieferprobleme oder eine Fehlstellung des Kiefergelenks kann zu einseitigen Schluckbeschwerden führen. Es ist ein Arzt aufzusuchen, da es in diesen Fällen ohne ärztliche Maßnahmen zu keiner gesundheitlichen Verbesserung kommt. Entzündungen der Nerven im Gesicht oder im Hals führen ebenfalls zu den Schluckbeschwerden. Es besteht die Gefahr, dass es zu einem Ausfall weiterer Nervenfasern kommt. Daher ist bei anhaltenden Schluckbeschwerden ein Arzt aufzusuchen.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der der behandelnde Arzt den Patienten gezielt über die Beschwerden, das erste Auftreten und den Verlauf befragt. Der Verlauf der Symptomatik gibt Aufschluss über deren Ursache. Sodann erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Hals von innen genau betrachtet wird und die Lymphknoten äußerlich abgetastet werden. Eine hierbei festgestellte Schwellung der Lymphknoten ist ein Hinweis auf das Vorhandensein entzündlicher Vorgänge im Halsbereich, was sich durch eine Blutuntersuchung bestätigen lässt.

Gegebenenfalls wird auch ein Abstrich von der Halsoberfläche genommen und im Labor auf Bakterien, Viren, Pilze und andere Erreger untersucht. In Fällen, in denen die Beschwerden nicht innerhalb von kurzer Zeit abklingen, wird eine Panendoskopie durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine Spiegelung der Atem- und Speisewege. Typisch ist ein Verlauf, der mit Halstrockenheit sowie Halskratzen beginnt. Die Schleimhaut im Hals ist in der Regel recht trocken, wodurch sich auch der häufig auftretende Räusperzwang erklärt. Auf diese typischen Anfangsbeschwerden folgen regelrechte Schmerzen, die stechend oder pochend sein können. Vielfach lässt sich auch ein geröteter Rachenring beobachten, sowie geschwollene Lymphknoten und ein Anstieg der Körpertemperatur bis hin zu Fieber.

Komplikationen

Einseitige Schluckbeschwerden führen zu einer verminderten Nahrungsmittelaufnahme. Das erschwerte Schlucken kann mit Schmerzen verbunden sein. Halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, so kann es zu einer ungewollten Gewichtsabnahme führen. In schweren Fällen droht eine Essstörung. Im Allgemeinen führen die einseitigen Schluckbeschwerden zu einer verminderten Lebensqualität und einem herabgesetzten Wohlbefinden. Das Schlucken wird nicht nur bei der Nahrungszufuhr oder beim Trinken als unangenehm empfunden. Auch der Abfluss von Speichel aus dem Mund ist für die Betroffenen mit Beschwerden verbunden. Es kommt häufig zu einer Mundtrockenheit und eine Beeinträchtigung beim Sprechen oder Singen.

Es besteht bei einer vorliegenden Entzündung im Hals durch die vorhandenen Viren oder Bakterien die Gefahr der Ausbreitung der Beschwerden. Neben den Schluckbeschwerden kann es zu Halsschmerzen oder einer Rachenentzündung kommen. Diese Erkrankungen sind meist ansteckend, aber vorübergehend. Bei wuchernden Erkrankungen kann es Probleme mit den Mandeln oder der Lymphe geben. Dauern die Beschwerden an, kommt es oftmals zu einer Entfernung der Mandeln durch einen operativen Eingriff. Bei Schwellungen der Lymphknoten kann eine Krebserkrankung vorliegen. Es wird eine Tumortherapie eingeleitet, die mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen verbunden ist, aber gute Heilungschancen hat. Basieren die Schluckbeschwerden auf Zahn- oder Kieferproblemen, kann es zu einer Entfernung der Weisheitszähne kommen.

Behandlung und Therapie

Behandlung und Therapie einseitiger Schluckbeschwerden richten sich nach der Ursache der Beschwerden. Beruhen die einseitigen Schluckbeschwerden auf einem Virusinfekt, klingen sie zumeist von allein wieder ab. Sollten Bakterien die Ursache darstellen, kommt eine Behandlung mittels Antibiotika in Betracht. Sinnvoll kann auch der Einsatz von Halsschmerztabletten sein, die antiseptische sowie schmerzstillende Wirkstoffe enthalten.

Gurgeln mit Salzwasser desinfiziert den Hals-Rachenraum und lindert Schluckbeschwerden.

Lokalanästhetika in Halsschmerztabletten führen zu einer leichten und vorübergehenden Betäubung des betroffenen Bereichs, was vorübergehende Linderung verschafft. Begleitend wird regelmäßig dazu geraten, besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Dies gilt umso mehr, wenn die Beschwerden von Fieber begleitet sind. Bewährt haben sich auch Arzneitees wie Salbei-, Thymian- oder Kamillentee. Diese Tees haben eine entzündungshemmende Wirkung. Der warme Tee wirkt zudem wohltuend.

Auch Gurgellösungen sind ein probates Mittel gegen Schluckbeschwerden. Hierzu eignen sich ebenfalls die Teesorten Salbei, Thymian und Kamille. Es gibt aber auch fertige Gurgellösungen in der Apotheke zu kaufen. Als Hausmittel bewährt hat sich außerdem warme Milch mit Honig. Honig enthält Propolis, eine Substanz, die ebenfalls entzündungshemmend wirkt. Hilfreich ist es auch, den Hals immer Warm zu halten und gegebenenfalls warme Wickel durchzuführen. Bei akuten einseitigen Schluckbeschwerden sollte auf jede Form von Reizung der Schleimhaut von Hals und Rachen verzichtet werden. Dazu gehört insbesondere das Rauchen.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung empfiehlt es sich, immer ausreichend Wasser, Tee und andere ungesüßte Getränke zu sich zu nehmen. Hierdurch wird verhindert, dass sich Erreger und Keime im Halsbereich festsetzen können, indem sie schlicht hinweggespült werden. Das Trinken führt zugleich zu einer verbesserten Durchblutung der Hals- und Rachenschleimhaut, wodurch diese ebenfalls widerstandsfähiger gegen Erreger wird.

Insgesamt sollte das Immunsystem gerade in der Erkältungszeit gestärkt werden. Dies lässt sich zum einen über eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen frischen Zutaten und einer Nährstoffe schonenden Zubereitung erzielen. Regelmäßige moderate Bewegung an der frischen Luft trägt allerdings auch zu einem oft unterschätzten Anteil zu einem gesunden Immunsystem mit genügend Abwehrkräften bei. Ideal ist eine halbe Stunde Bewegung an der frischen Luft pro Tag.

Ferner ist es unerlässlich, auf eine gesunde Mundhygiene zu achten. Hierzu gehört natürlich zum einen das regelmäßige und richtige Putzen der Zähne, Zahnzwischenräume sowie der Zungenoberfläche. Zum anderen bedeutet dies die Aufrechterhaltung einer gesunden Mundflora. In der Mundflora befinden sich die häufig so bezeichneten guten Bakterien, die der Immunabwehr dienen und damit unsere Gesundheit unterstützen.

Bücher über Erkältungskrankheiten

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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