Eingerissener Nagel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Juli 2017
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Ein eingerissener Nagel ist eher ein kosmetisches denn ein medizinisches Problem. Hierbei reißen entweder Zehen- oder Fingernägel ein - bestenfalls im weißen Nagelabschnitt, denn dann lassen sie sich leicht entfernen. Reißt der Nagel dagegen in den Bereich des Nagelbetts, kann das für den Patienten schmerzhaft werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind eingerissene Nägel?

Definition Menschliche Nägel bestehen wie die Haare und die Haut aus Stoffen wie Keratin und verhorntem Material. Beim Nagel allerdings ist der Anteil an verhorntem Material höher, denn er muss härter sein als Haut.

Außerdem wachsen die Nägel langsam, aber stetig, denn der Körper nutzt sie als Möglichkeit, nicht mehr gebrauchtes verhorntes Material loszuwerden. Da ein Finger- oder Zehennagel nicht endlos weiterwachsen kann (obwohl es interessante Einträge ins Guinnessbuch der Rekorde bezüglich der Nagellänge gibt), bricht oder reißt er irgendwann und erlaubt, dass neues Nagelmaterial nachwächst. Ein Abbruch des Nagels ist nicht weiter gefährlich, das Einreißen des Nagels kann dagegen unangenehm sein.

Von einem Riss spricht man meistens dann, wenn ein unsauberer Rand entstanden ist und die Schichten des Nagels dadurch erkennbar werden. Ein Nagelbruch ergibt eher eine saubere Bruchkante. Der eingerissene Nagel ist unproblematisch, wenn auch unschön, solange der Riss im weißen Nagelabschnitt liegt. Es kann jedoch auch passieren, dass der Nagel ins Nagelbett einreißt, was schmerzhaft ist - und die Entfernung der Nagelreste erschwert.

Ursachen

Eingerissene Nägel an Fingern und Füßen sind ein normaler Vorgang. Irgendwann bricht oder reißt der lang gewordene Nagel, denn Nägel können nicht ewig in die Länge wachsen. Irgendwann wären sie eine Behinderung. Insbesondere eingerissene Nägel hängen aber meist damit zusammen, dass einerseits die Nagelstruktur bereits schwach war und andererseits der Nagel eine Belastung erfahren hat, der er nicht standgehalten hat, oder aber er ist hängengeblieben und dabei gerissen.

Das Risiko eingerissener Nägel wird noch dadurch erhöht, dass bereits kleine Brüche und Kerben im Nagelrand vorhanden sind, um die sich nicht gekümmert wurde. Das kann geschehen, da der Nagel unsauber gefeilt wurde oder schlichtweg schon gealtert ist und an den Rändern brüchig und porös wird. Passieren eingerissene Nägel regelmäßig, sodass die Häufigkeit als störend empfunden wird, kann es auch sein, dass die Nagelstruktur nicht ausreichend hart und widerstandsfähig ist, um den Belastungen des Alltags zu widerstehen. Häufiger Auftrag von Nagellack oder die Anbringung künstlicher Fingernägel kann dafür eine Ursache sein. Besonders die modernen Gel-Lacke stehen im Verdacht, die Nagelstruktur zu schädigen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein eingerissener Nagel heilt zumeist innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab. Reißt der Nagel allerdings am Anfang des Nagelbettes an mehreren Stellen zeitgleich oder besonders tief ein, wird unter Umständen ärztliche Unterstützung benötigt.

Dasselbe gilt, wenn der Nagel schief wächst und sich dadurch etwa in das Nagelbett oder die Fingerkuppen bohrt. Bei starken Schmerzen im Bereich des eingerissenen Nagels liegt womöglich eine Infektion der Wunde vor – der Arzt kann die Heilung durch die Gabe geeigneter Medikamente und durch eine Behandlung unter örtlicher Betäubung beschleunigen. Besteht der Verdacht, dass Bakterien in die Wunde gelangt sind, muss ein Arzt hinzugezogen werden.

Unter Umständen liegt eine Nagelschwäche vor, die bisweilen schwerwiegende Ursachen wie Mallet-Finger, Diabetes oder das Raynaud-Syndrom hat, und deshalb dringend fachärztlich abgeklärt werden muss.

Grundsätzlich heilen eingerissene Nägel allerdings ohne große ärztliche Hilfe wieder ab, wobei auf größere Wunden generell ein professioneller Blick geworfen muss, um eine Vergrößerung des Einrisses und eventuelle Infektionen zu vermeiden. Patienten mit Hämophilie oder spezifischen Phobien, wie der Hämatophobie, empfiehlt sich die fachärztliche Abklärung unter therapeutischer Aufsicht.

Diagnose und Verlauf

Ein eingerissener Nagel entwickelt sich in der Regel nicht zum medizinischen Problem. Vielmehr ist er kosmetisch unangenehm und störend. Etwas schwierig kann es jedoch sein, wenn der Nagel nur teilweise nah am Nagelbett oder ins Nagelbett hinein gerissen ist - und das nur teilweise. Dann ist noch ein Nagelrest vorhanden, der entfernt werden muss. Bei eingerissenen Nägeln im Bereich des Nagelbetts kann auch eine leichte Blutung unter dem Nagel auftreten, die aber nicht schwer ist und schnell wieder aufhört. Dieser Bereich ist nicht besonders stark durchblutet und die Blutung wird durch dem darauf liegenden Nagel sofort wieder gestillt, wie bei einem Druckverband. Falls der eingerissene Nagel leichte Schmerzen verursacht hat, verschwinden diese schon bald wieder und der Nagel wächst nach, sodass er bald wieder kosmetisch ansprechend in Form gebracht werden kann.

Komplikationen

Ein eingerissener Nagel ist zunächst eher ein kosmetisches Problem. Ist der Nagel lediglich im weißen Nagelabschnitt eingerissen, kann er abgeschnitten und in eine sichere Form gefeilt werden, ohne dass es zu Komplikationen kommt. Anders kann das aussehen, wenn der Riss weiter unten passiert ist und in der Nähe des Nagelbettes sitzt. Reicht der Riss in den rosafarbenen Teil des Nagels hinein, besteht das Risiko einer kleinen Wunde. Eine solche Wunde wegen eines eingerissenen Nagels ist schwer zu reinigen - der natürlich vorkommende Schmutz unter dem Fingernagel kann schon ausreichen, um eine Wundinfektion auszulösen.

Auch kann ein eingerissener Nagel in der Nähe des Nagelbettes zu Blutungen führen, die meistens aber schnell wieder aufhören. Sie befinden sich schließlich unterhalb des Fingernagels, der umliegende gesunde Nagel wirkt wie ein Druckverband. Der meist kaum erkennbare Blutpfropf gerinnt schnell, verfärbt sich aber schnell dunkel und ist dann oft gut unter dem Nagel zu sehen. Er kann erst entfernt werden, wenn der Nagel so weit nachgewachsen ist, dass die betroffene Stelle vom Nagelbett in den weißen Teil des Fingernagels übergeht. Wird der eingerissene Nagel nicht abgeschnitten und gefeilt, könnte er je nach Art des Risses noch weiter einreißen oder sich in der Kleidung verfangen und abgerissen werden. Das zieht meist weit schlimmere Verletzungen nach sich.

Behandlung und Therapie

Ein eingerissener Nagel benötigt in der Regel weder eine Behandlung noch einen Arztbesuch. Ist der Nagel vollständig abgerissen, kann die Bruchstelle in Form geschnitten oder gefeilt werden, wobei auf saubere Ränder geachtet werden muss. Dadurch reißt er nicht noch weiter ein. Unsaubere Bruchstellen müssen entfernt werden, auch wenn der eingerissene Nagel dadurch noch kürzer wird. Wenn jedoch der Riss sehr nah am Nagelbett passiert ist oder nur einen Teil des Nagels abgetrennt hat, muss gehandelt werden - das kann jedoch jeder selbst zu Hause erledigen.

Ein vollständig entfernter eingerissener Nagel braucht nur noch eine kurze Untersuchung des Nagelbetts. Scharfkantige Ränder des noch stehenden Nagels werden mit Schere und Feile behandelt. Leichte Blutungen und Schmerzen werden von allein wieder vergehen. Hängt der Nagel noch nah am Nagelbett oder ist ins Nagelbett eingerissen, empfiehlt es sich, zunächst den kompletten Nagel so nah an der Linie zwischen rosa und weißem Nagelabschnitt abzutrennen. Bleibt das noch hängende Stück wieder hängen, kann das ansonsten sehr wehtun.

Anschließend wird der noch übrige Nagel vorsichtig mit der Schere oder der Nagelfeile so weit wie möglich heruntergekürzt, sodass keine hängenden Nagelstücke oder scharfe Ränder mehr stehen bleiben. Das Ergebnis darf unebenmäßig sein, solange nichts mehr hängen bleiben oder einschneiden kann. Der Nagel wächst nach, damit ist eine kosmetische Korrektur im Anschluss jederzeit möglich.



Aussicht und Prognose

Ein eingerissener Nagel an den Fingern oder an einer Zehe ist in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle mit einer ausgezeichneten Prognose verbunden. Selbst ohne zusätzliche Maßnahmen des Betroffenen heilt der Nagel durch allmähliches Herauswachsen der eingerissenen Stelle aus und mögliche Begleitsymptome wie Schmerzen oder eine leichte Blutung oder Entzündung bilden sich in der Regel rasch und ohne weitere Komplikationen zurück.

Eine etwas schlechtere Prognose ist möglich, wenn ein eingerissener Nagel mit einer starken Entzündung des Nagelbetts oder der umgebenden Haut verbunden ist. Dies kann durch eine Verschmutzung einer winzigen Wunde in der betreffenden Nagelregion entstanden sein. Auch generelle Wundheilungsstörungen, die insbesondere bei Diabetikern im Bereich der Füße auftreten können, sind manchmal mit einer etwas schlechteren Aussicht auf schnelle Abheilung verbunden.

Die Prognose rund um den eingerissenen Nagel ist unter Umständen auch mit dem Verhalten des Betroffenen verbunden. So kann ein eingerissener Nagel am Fuß schlechter ausheilen, wenn die jeweilige Zehe in einen sehr engen beziehungsweise spitz zulaufenden Schuh gequetscht wird. Ein eingerissener Nagel im Handbereich heilt möglicherweise schlechter, wenn der Betroffene versucht, durch andauerndes Kauen am Nagel eventuell überstehende Nagelkanten zu entfernen. Spätestens bei einer deutlich sichtbaren Entzündung mit Schwellung, Rötung und gegebenenfalls Klopfschmerz sollte der Arzt aufgesucht werden, um weitere Komplikationen und die Verschlechterung der Prognose zu vermeiden.

Vorbeugung

Eingerissene Nägel sind unangenehm, lassen sich aber nicht immer vermeiden. Männern passieren sie sogar eher seltener als Frauen, was daran liegt, dass besonders Frauen längere Nägel haben. Ein langer Nagel ist immer ein Risiko, da seine Struktur irgendwann nachlässt und er entweder bricht oder reißt.

Eine möglichst wenig kantige, aber auch nicht zu spitze Nagelform verhindert, dass der Nagel hängen bleiben kann. Vor allem an den unteren Rändern des Nagels nahe dem Nagelbett sollte immer eine saubere Nagelkante gefeilt werden, denn sonst kann es dadurch zu kleinen Rissen im Rand und eingerissenen Nägeln in der Folge kommen.

Auch ist die Behandlung von Nagelhärter nicht immer die beste Wahl. Er empfiehlt sich, wenn die Nägel sehr biegsam sind - dann reißen sie aber vermutlich auch nicht. Bei häufigen eingerissenen Nägeln empfiehlt sich eher Nagelöl, denn die Nägel sind wahrscheinlich zu trocken und werden dadurch irgendwann spröde. Nagelöl dringt in die Nagelstruktur ein und macht sie flexibler und widerstandsfähiger gegen das Splittern, sodass sie auch weniger reißen.

Bücher über Nagelpflege

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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