Doppeltsehen (Diplopie)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. Mai 2016
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Diplopie (auch Diplopia; Doppel- oder Doppeltsehen) bezeichnet eine Wahrnehmungsstörung, bei der gesehene Bilder ineinander verschoben wahrgenommen werden. Das Symptom kann unterschiedliche Ursachen haben und ist in einer Vielzahl der Fälle heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Doppeltsehen (Diplopie)?

Doppeltsehen (Diplopie) führt dazu, dass der Betroffene einen Gegenstand doppelt sieht: Die beiden wahrgenommenen Bilder liegen in der Folge entweder nebeneinander oder sind übereinander geschoben, manchmal auch schräg bzw. leicht gedreht.

Bei der Wahrnehmung zweier nebeneinander liegender Bilder spricht man in diesem Zusammenhang von horizontaler Diplopie. Im Gegensatz dazu wird das Sehen von ineinander geschobenen Bildern entsprechend als vertikale Diplopie bezeichnet.

Ursachen

Das Doppeltsehen kann auf zwei Mechanismen zurückgehen, für die wiederum jeweils verschiedene Ursachen in Frage kommen. Um diese näher zu betrachten, ist zunächst die Unterscheidung der zwei Arten von Diplopie entscheidend: binokulare Diplopie und monokulare Diplopie.

Bei der binokularen Diplopie wird ein Punkt auf unterschiedliche Stellen der Netzhaut der beiden Augen abgebildet, was auch als Disparation bezeichnet wird. Binokulare Diplopie tritt beispielsweise im Rahmen von Störungen des Gleichgewichts der Augenmuskeln oder bei der Konvergenzlähmung auf, welche dazu führt, dass die Augen nicht mehr parallel zueinander bzw. synchron bewegt werden.

Darüber hinaus kann binokulare Diplopie auch eine Folge des Schielens (Strabismus) sein und sowohl als gekreuzte Diplopie (heteronyme oder temporale Diplopie) als auch als ungekreuzte Diplopie (homonyme Diplopie oder Diplopia simplex) auftreten. Letztere fällt unter den Begriff Strabismus convergens (Innenschielen: das Auge wird zur Gesichtsmitte hin verdreht), wenn das doppelte Bild auf der Seite des schielenden Auges entsteht; im umgekehrten Fall, wenn das doppelte Bild auf die Netzhaut des nicht-schielenden Auges abgebildet wird, greift die Bezeichnung Strabismus divergens (Außenschielen: das Auge wird zum Gesichtsrand verdreht).

Bei der zweiten Form des Doppeltsehens, der monokularen Diplopie, wird ein Bildpunkt auf zwei unterschiedliche Stellen der Netzhaut eines Auges abgebildet. Für diese Manifestation kommen verschiedene ursächliche Erkrankungen in Betracht. Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Linse des Auges sklerosiert (verhärtet) ist und dadurch ein doppelter Brennpunkt entsteht – was wiederum zur Folge hat, dass das selbe Bild zwei Mal (an unterschiedlichen Stellen) auf die Netzhaut geworfen wird.

Auch beim irregulären Astigmatismus, einer unregelmäßigen Hornhautverkrümmung, kommt es zur Diplopie. Andere Ursachen können in einer Diplokorie, d.h. einer angeborenen Lochbildung in der Iris, oder der Iridodialyse, dem Abreißen der Iris durch stumpfe Gewalteinwirkung auf den Augapfel, bestehen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Da für Diplopie verschiedene Ursachen in Betracht kommen, erfolgt eine genaue Diagnosestellung in der Regel durch mehrere augenärztliche Tests. Während eine Beschädigung der Iris (zum Beispiel im Falle der Iridodialyse) von außen leicht zu erkennen ist, sind die konkreten Auslöser für die verschiedenen Arten des Schielens weniger offensichtlich.

Die Ursachen für das Innenschielen beispielsweise sind bislang kaum bekannt. Beim Lähmungsschielen kann eine der drei relevanten Nervenbahnen beschädigt sein, so dass konvergenten Augenbewegungen nicht mehr möglich sind, da die Koordination zwischen den beiden Augen gestört ist.

Dies kann durch neuropsychologische Tests und bildgebende Verfahren (zum Beispiel CT oder MRT) untersucht werden. Hornhautverkrümmungen wie beim irregulären Astigmatismus, sowie selbst leichte Fehlstellungen der Augäpfel können mithilfe von optischen Messgeräten beim Augenarzt erkannt und vermessen werden.

Behandlung

Ist die Ursache der Doppeltsehen (Diplopie) erkannt, kann sie in vielen Fällen behandelt werden. Liegt der Grund für das Doppeltsehen im Innenschielen, kann vor allem bei Kindern das Tragen einer Brille ausreichend sein, die die Sehschwäche korrigiert: Denn viele Kinder schielen leicht, um Kurzsichtigkeit zu kompensieren.

Mithilfe entsprechend geschliffener Brillengläser kann außerdem eine gerade Augenstellung angestrebt werden, wodurch der Winkel des Schielens minimiert werden. Ist dies nicht ausreichend, kann eine Operation erfolgen, bei der die Augenstellung chirurgisch angepasst wird. Insbesondere bei frühen Eingriffen sind die Heilungsaussichten sehr gut.

Bei anderen Ursachen der Diplopie, wie zum Beispiel dem irregulären Astigmatismus, kann ebenfalls bereits das Tragen speziell geschliffener Brillengläser ausreichen, um scharfes und einfaches Sehen zu ermöglichen. Bei anderen Augenerkrankungen, insbesondere nach Gewalteinwirkungen, kann das normale Sehen lediglich durch eine Operation wiederhergestellt werden. Alternative Heilmethoden haben sich bislang nicht als wirksam erwiesen.



Vorbeugung

Zur Prävention der Diplopie sollte das Auge vor mechanischem Druck geschützt werden. Insbesondere an Arbeitsplätzen, an denen eine eventuelle Gefährdung des Auges gegeben ist, sollten unbedingt die entsprechenden Schutzbestimmungen eingehalten werden.

Um Schielen – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen – vorzubeugen, sollte Fehlsichtigkeit rechtzeitig bemerkt und korrigiert werden. Bei bekannter Sehschwäche, beispielsweise in Form von Kurzsichtigkeit, sollte die verordnete Sehhilfe (Brille oder Kontaktlinsen) wie empfohlen getragen werden, statt darauf zu verzichten.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Hannes39 kommentierte am 16.05.2015 um 12:12 Uhr

Seit einiger Zeit sehe ich zeitweise doppelte Bilder, z.B. beim Auto fahren. Ich bin 76 Jahre alt, mehrfach am Herz operiert und Konsument diverser Medikamente unter anderem starke Schmerzmittel wegen meiner Rücken- und Hüftproblemen. Ich leide am neuropathischen Schmerzsyndrom. Gestern habe ich so heftig doppelte Bilder beim Autofahren gesehen wie noch nie, die mich sehr unsicher werden ließen. Wenn sich 2 vor mir fahrende Autos überholten, sah ich 4 Fahrzeuge auf der Straße. Jedes Auto hatte seinen "Schatten" rechts versetzt, etwas unterhalb. Kürzlich war ich beim Augenarzt. Den Termin habe ich nach 3 Monaten bekommen. Die Ärztin war jung, untersuchte mich mit einer Taschenlampe und diagnostizierte "wahrscheinlich etwas müder Sehnerv", mit der Empfehlung: „Gehen Sie mal zur Augenschule!“.
Ich wohne auf dem Land und komme nicht ums Autofahren herum. Ich bleibe sehr besorgt!

Karola kommentierte am 14.01.2016 um 14:16 Uhr

Ich wurde 2014 am Grauen Star an beiden Augen operiert, es wurden helle Linsen eingesetzt (obwohl es in den USA und der Schweiz gelbe Linsen gibt, habe ich jetzt leider erst gelesen, die das Licht viel besser filtern). Seit 2015 wurde das linke Auge sehschwächer und ich sah seit April 2015 links doppelt und verschwommen. Als ich die Augenärztin schon im April 2015 darauf aufmerksam machte, sagte sie nur ich solle im Herbst kontrollieren. Im August wurde ich kontrolliert und nicht behandelt, trotz der Verschlechterung des linken Auges. Im Januar 2016 wurde links gelasert. Auf meine Bemerkung, dass ich wohl eine Hornhautverkrümmung hätte, sagte die Ärztin nur: Das hat sie auch. Punkt. Nach dem Lasern sehe ich weiterhin doppelt. Nächste Woche ist Nachkontrolle. Das Doppelsehen werde ich jetzt aber wieder erwähnen und eine Behandlung erbitten. Ebenso die richtige Brille und Sonnenbrille. Mein Mann soll auch eine Graue Star Operation bekommen, wir müssen also aufpassen, was gemacht wird. Was meinen Sie dazu?

G.W. kommentierte am 16.03.2016 um 14:52 Uhr

Ich sehe doppelt seit meiner ersten Krebsoperation, die jetzt 16 Jahre her ist. Augenärzte haben versucht dieses Problem zu beheben (vor 15 Jahren) , indem sie den Sehnerv verschoben haben (das hatten mir die Ärzte und mein Vater erzählt), doch geändert hat sich nie was. Seit ich diese Doppelsicht habe, habe ich Balance- und Koordinationsprobleme. Ich hätte eigentlich gerne gewusst ob dies behoben werden kann?

Elwis kommentierte am 21.07.2016 um 11:11 Uhr

Ich hatte einen Unfall, bei dem die linke Augenhöhle deformiert wurde. Im Ergebnis hatte ich (vermutlich durch die Verschiebung der optischen Achse des linken Auges) Doppeltsehen. Ich bin schon 67 Jahre alt, so dass das Gehirn nicht mehr in der Lage war, diese Veränderung zu kompensieren. Das größte Problem war, dass ich damit nicht Autofahren hätte können. Nach eingehender Untersuchung wurde das Problem aber sehr schnell gelöst durch den Einsatz von s.g. Prismenbrillen. Wenn ich diese trage, merke ich von der Diplopie überhaupt nichts.

Jörg kommentierte am 27.07.2016 um 19:41 Uhr

Vor zwei Jahren hatte ich im linken Auge eine leichte Netzhautablösung die sich nach 1/4 Jahr wieder regeneriert hat. Vor ca. 1/2 Jahr hatte ich gleiche Symptome (Blitze) im rechten Auge die sich zwischenzeitlich gebessert haben. Jetzt stelle ich plötzlich zunehmend doppelt Sehen im rechten Auge fest. Ich bin Sportschütze und es fällt mir zunehmend schwerer gute Schießergebnisse zu erreichen da das rechte Auge mein Zielauge ist. Ich bin 71 Jahre alt und habe in 2 Wochen einen Termin beim Augenarzt. Ich bin, bis auf leichten Bluthochdruck (1/2 Tablette Bisoprolol), gesund und bin altersgerecht belastbar.