Diabetes insipidus (Wasserharnruhr)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. März 2015
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Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) kennzeichnet eine Störung des Wasserhaushalts durch eine verminderte Harnkonzentrationsfähigkeit der Nieren. In der Regel weist ein Diabetes insipidus einen guten Verlauf auf und kann gut im Rahmen einer Therapie kontrolliert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Diabetes insipidus (Wasserharnruhr)?

Als Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) wird eine Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes bezeichnet, die mit einer vermehrten Harnausscheidung (Polyurie) infolge einer verminderten Fähigkeit der Nieren zur Wasserreabsorption einhergeht.

Einen bedeutenden Faktor bei der Regelung der Wasserreabsorption (Harnkonzentration durch Wasserentzug) der Nieren stellt das Hormon ADH (antidiuretisches Hormon, auch Vasopressin oder Adiuretin) dar, das im Hypophysenhinterlappen gebildet wird und unter anderem in den Sammelrohren der Nieren die Wasserreabsorption steuert.

Bei einer Wasserharnruhr liegt entweder eine eingeschränkte oder fehlende ADH-Sekretion vor (Diabetes insipidus centralis) oder die Nieren sprechen auf das vom Organismus gebildete ADH nicht an (Diabetes insipidus renalis).

Ursachen

Die für Diabetes insipidus charakteristische verminderte Fähigkeit der Nieren zur Harnkonzentration kann auf zwei Ursachen zurückgeführt werden. Zum einen kann eine verminderte oder fehlende Produktion des im Hypophysenlappen gebildeten Hormons ADH vorliegen (Diabetes insipidus centralis).

Zum anderen kann durch eine nierenbedingte Störung ein Ansprechen der Nierenrezeptoren (ADH-Resistenz) auf das vom Organismus gebildete ADH fehlen (Diabetes insipidus renalis).

Ein Diabetes insipidus centralis ist symptomatisch bei Hypothalamus- und Hypophysentumoren, Schädel-Hirn-Traumata, Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Hirnhautentzündung), Störungen des Hypothalamus sowie nach operativen Eingriffen an der Hypophyse.

Der deutlich seltenere Diabetes insipidus renalis wird zumeist genetisch (vor allem bei Kindern) oder medikamentös-toxisch bedingt (langfristige Einnahme von Lithium, Methoxyfluran) oder auf eine chronische Nierenerkrankung (Nierenbeckenentzündung, Zystennieren) zurückzuführen.

Daneben kann ein Diabetes insipidus durch eine Schwangerschaft bedingt sein, da während dieser ADH vermehrt abgebaut wird. In über 60 Prozent der Fälle kann keine Ursache für eine Wasserharnruhr festgestellt werden (idiopathischer Diabetes insipidus).

Symptome und Verlauf

Bei einem Diabetes insipidus ist vor allem eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung (Polyurie) symptomatisch, wobei die ausgeschiedenen Harnvolumina stark hypoton (wässrig) sind und bis zu 20 bis 25 Liter am Tag betragen können.

Die Polyurie bedingt ein gesteigertes Durstempfinden sowie eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme (Polydipsie). Kann die erhöhte Wasserausscheidung nicht kompensiert werden, kann sich eine Exsikkose (Austrocknung des Organismus) entwickeln, die für Kleinkinder und Säuglinge gefährlich werden kann. Weitere Symptome eines Diabetes insipidus sind trockene Haut, Krämpfe sowie Schlafstörungen.

In der Regel weist eine Wasserharnruhr in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursachen und Erkrankungen einen guten Verlauf auf. Können die auslösenden Faktoren beseitigt werden, ist eine vollständige Genesung nicht ausgeschlossen. Ferner ist ein Diabetes insipidus im Rahmen einer Therapie gut kontrollierbar.

Diagnose

Ein Diabetes insipidus wird anhand der Bestimmung der Urinosmolarität (Anzahl der gelösten, osmotisch wirksamen Teilchen im Urin) diagnostiziert. Bei einer Wasserharnruhr ist die Osmolarität des Urins herabgesetzt (unter 300 mosmol/l).

Darüber hinaus kann ein sogenannter Durstversuch durchgeführt werden, bei welchem die ADH-Konzentration im Harn oder Blutplasma nach einer definierten Durstperiode (in der Regel während der Nacht) bestimmt wird.

Steigt die ADH-Konzentration bei gleichzeitigem Fortbestehen der Polyurie und verminderter Harnkonzentration nicht an, liegt ein Diabetes insipidus vor.

Zur Differenzialdiagnostik zwischen renaler und zentraler Form der Erkrankung dient ein ADH-Test, im Rahmen dessen ADH verabreicht wird.

Während die ADH-Substitution bei einem Diabetes insipidus centralis zu einem Anstieg der Harnosmolarität führt, ist bei einem Diabetes insipidus kein oder lediglich ein marginaler Effekt feststellbar.

Behandlung und Therapie

Die Therapie eines Diabetes insipidus richtet sich nach der Form der Erkrankung sowie den auslösenden Faktoren. So wird der für einen Diabetes insipidus centralis symptomatische ADH-Mangel im Rahmen einer Substitutionstherapie mit synthetischen ADH-Abkömmlingen (Desmopressin), die in Form von Nasentropfen, -sprays, Tabletten oder subkutaner Injektionen verabreicht werden, kompensiert. Synthetische ADH-Abkömmlinge können auch bei einer Wasserharnuhr eingesetzt werden, die durch ADH-Resistenz infolge einer Schwangerschaft verursacht wird.

Bei einem weniger stark ausgeprägten Diabetes insipidus centralis kann die verminderte ADH-Bildung medikamentös durch Antiepileptika mit Harnausscheidung hemmender Wirkung (Carbamazepin) angeregt und entsprechend die Konzentrationsfähigkeit der Nieren gesteigert werden. Zur Vermeidung einer Überwässerung sollte gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr verringert werden.

Bei Vorliegen einer durch Hypophysentumor bedingten Wasserharnuhr, können ein operativer Eingriff und/oder eine Strahlentherapie erforderlich werden. Nach einer erfolgreichen Tumorentfernung kann gegebenenfalls der Organismus seine Fähigkeit zur ADH-Bildung wiedererlangen.

Die Behandlung eines Diabetes insipidus renalis zielt auf eine Kompensation der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste, indem die Natriumausscheidung der Nieren medikamentös durch Thiazid-Diuretika angeregt und entsprechend die Wasserreabsorbtion erhöht wird. Therapiebegleitend wird eine kochsalzarme Ernährung mit verringerter Eiweißzufuhr empfohlen.

Kann die Wasserharnuhr auf einen erhöhte Kalziumgehalt im Blutplasma zurückgeführt werden, zielen die Therapiemaßnahmen auf eine Senkung der Kalziumwerte, infolgedessen sich der Diabetes insipidus oftmals zurückentwickelt.

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Vorbeugung

Einem Diabetes insipidus kann nicht vorgebeugt werden, da auf die Genese der Erkrankung nicht eingewirkt werden kann. Allerdings sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll, um durch eine frühe Diagnose und einen frühzeitigen Therapiebeginn die Heilungschancen eines Diabetes insipidus zu erhöhen.

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