Chronisches Schmerzsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2015
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Etwa jeder fünfte Patient leidet am chronischen Schmerzsyndrom. Dies sind Schmerzen, die lange andauernd und die auf keine physische Beeinträchtigung mehr zurück zu führen sind. Medikamente helfen in diesem Fall meist nicht ausreichend.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein chronisches Schmerzsyndrom?

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Medikamente gegen: Schmerzen

Als chronisches Schmerzsyndrom werden Schmerzen bezeichnet, die länger als drei Monate anhalten. Sie gehen dabei weder auf die Heilung einer Wunde noch auf einen Tumor zurück. Gefühlte Beeinträchtigung und tatsächlich vorhandene gesundheitliche Störung entsprechen einander nicht. Oft treten sie als Schmerzen im Rücken oder in den Gelenken auf. Sie werden häufig von psychischen Beeinträchtigungen wie Angst, Depression, Müdigkeit, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder posttraumatischen Belastungsstörungen begleitet. Daher können sie nur in der Zusammenarbeit von verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen behandelt werden.

Ursachen

Das chronische Schmerzsyndrom entsteht aus drei unterschiedlichen Kontexten: Erstens können chronische Schmerzen als Begleitsymptom einer körperlichen Störung auftreten. Das bedeutet, dass eine körperliche Erkrankung wie Rheuma, Arthrose, Osteoporose oder verschiedene Nervenschädigungen von Schmerzen begleitet werden. Außerdem fallen außergewöhnliche Schmerzen wie der Phantomschmerz nach einer Amputation in diese Kategorie. In diesem Fall schmerzt der amputierte Körperteil, ohne dass dies physisch möglich ist.

Ebenfalls in dieser Kategorie zu finden sind Beschwerden, in denen ein Schmerz ungewöhnlich lang und intensiv auftritt. Er steht in keinem Verhältnis zur auslösenden Erkrankung. Dies wird als komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) bezeichnet. Zweitens treten Schmerzen auf, die körperlich zum Teil erklärt werden können, aber mit einer psychischen Erkrankung einher gehen. So liegt in diesem Fall beispielsweise eine Gewebeschädigung wie ein Bandscheibenvorfall vor, die über den Rücken bis ins Bein hinein ausstrahlt.

Eine unzureichende Krankheitsbewältigung, eine Angststörung oder eine depressive Störung kann dazu beitragen, diesen Schmerz zu intensivieren. Drittens treten chronische Schmerzen auch dann auf, wenn die Primärerkrankung eine psychische Störung ist. Gerade bei einer Depression, einer Angststörung oder einer posttraumatischen Belastungsstörung können diese hinzukommen und die Auswirkungen der Krankheit verschlimmern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des chronischen Schmerzsyndroms:

Das chronische Schmerzsyndrom entsteht aus einer bereits vorliegenden Erkrankung. Die Schmerzen halten aber noch lange, das heißt mehr als drei Monate, nach der Abheilung der eigentlichen Erkrankung an. Im Verlauf werden sie zur Hauptkrankheit und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Chronische Schmerzen können sich ganz unterschiedlich anfühlen: stechend, brennend, hell, bohrend oder dumpf.

Diagnose

Die Diagnose ist nicht so leicht. Zunächst wird die Form und Dauer der Schmerzen aufgenommen, um andere Ursachen wie noch nicht erkannte Ursachen aus zu schließen. Hierbei ist es wichtig, die Auslöser heraus zu finden. Das können einerseits bestimmte Belastungssituationen sein, aber andererseits auch durch Medikamente verursacht werden. Auch die begleitenden Symptome wie Übelkeit und Schwindel sollten Erwähnung finden. Das Herausfinden der Art der Beeinträchtigung, beim Wohlbefinden, der Alltagsfunktion, der Aktivität, dem Sozialleben, der Stimmung oder dem Schlaf, hilft bei der anschließenden Therapie.

Behandlung und Therapie

Wichtig bei der Behandlung und der Therapie des chronischen Schmerzsyndroms ist eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen. Zunächst muss der Arzt individuell mit dem Patienten herausfinden, welche Behandlung den größten Erfolg verspricht. Schmerzlindernde Medikamente gibt es in zwei Varianten: Enthalten sie keine Betäubungsmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol, sind sie leichter erhältlich. Ihre Wirkung erschöpft sich in Härtefällen relativ schnell, denn sie wirken nicht im Gehirn, sondern hemmen die Schmerzentstehung und deren Leitung zum Gehirn.

Andere Schmerzmittel enthalten Wirkstoffe, die Morphin ähneln. Sie dürfen nur in ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden, da sie abhängig machen können. Sie werden nur eingesetzt, wenn andere Mittel nicht mehr wirken. Antidepressiva sind so genannte Stimmungsaufheller und werden in der psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt. Sie wirken gegen Depressionen und haben als Begleiterscheinung, dass die Schmerzen nicht mehr als so schlimm wahrgenommen werden. So lindern sie den Schmerz indirekt.

Sind Nerven oder Nervenknoten hypersensibel, hilft es, wenn in ihre Nähe Betäubungsmittel injiziert werden. So leiten sie weniger Schmerzinformationen an das Gehirn weiter, was ebenfalls ein Nachlassen des Schmerzes nach sich zieht. Physiotherapeutische Maßnahmen zielen darauf, den Muskeltonus durch Wärme- und Kältebehandlungen sowie elektrotherapeutische Verfahren oder Massagen herab zu setzen. Sie regen die Durchblutung an. Gleichzeitig wirkt diese Behandlung durch ihre Entspannung positiv auf das Gemüt.

Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation werden auf der Haut freie Nervenenden stimuliert, die einen Gegenreiz zum Schmerz auslösen und ihn so abmildern. Diese Behandlung kann zu Hause durchgeführt werden und hat sich gerade bei Langzeitpatienten bewährt. In der Homöopathie finden schmerzlindernde und entspannende Kräuter Anwendung. Dies kann durch Methoden der körperlichen und geistigen Entspannung wie autogenes Training, Hypnose und Meditation sowie Akupunktur, Akupressur und Osteopathie ergänzt werden.

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Vorbeugung

Chronische Schmerzen bedeuten viel Stress, die schnell in eine negative emotionale Spirale münden kann. Entspannungstechniken können gegen die psychische Belastung helfen. So sind autogenes Training, Meditation, Yoga, progressive Muskelentspannung und Achtbarkeitstraining dazu prädestiniert, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie bewirken eine größere emotionale Ausgeglichenheit, die den Umgang mit Schmerzen erleichtern.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Nasentröpferl kommentierte am 31.07.2016 um 19:24 Uhr

Meine Erfahrungen dazu sind sehr vielfältig. Mich quälen seit ca. 30 Jahren immer neue Schmerzen an diversen Körperstellen. Eine 2002 im Klinikum der LMU München diagnostizierte Fibromyalgie wird nun neuerdings in Frage gestellt und als chronisch manifestiertes Schmerzsyndrom bezeichnet. Hilfe zur Linderung meiner Schmerzen bekomme ich trotz zahlreicher Facharztbesuche leider keine.