Chassaignac-Lähmung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Dezember 2014
Gesundpedia.deSymptome Chassaignac-Lähmung

Die Chassaignac-Lähmung zählt zu den häufigsten Verletzungen kleiner Kinder. Der folgende Artikel informiert über Ursachen, Beschwerdebild, Behandlung und besonders auch über Maßnahmen, die geeignet sind, dieser Krankheit vorzubeugen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Chassaignac-Lähmung?

Die Chassaignac-Lähmung ist auch unter der Bezeichnung „Radiusköpfchen-Subluxation“ allen Kinderärzten und Orthopäden bekannt. Der Begriff Lähmung ist eigentlich medizinisch nicht korrekt, denn es handelt sich nicht um eine echte, durch Nervenschädigung verursachte Lähmung. Eine Subluxation wird auch als Teilausrenkung bezeichnet.

Zu einer Chassaignac-Lähmung kommt es, wenn auf den ausgestreckten, nach innen gedrehten Arm eine starke Zugkraft einwirkt. Der obere Kopf der Speiche, also des daumenseitig gelegenen Unterarmknochens, dessen Kopf im Ellenbogen endet, rutscht durch den heftigen Zug aus dem Band, das ihn normalerweise an seinem Platz hält. In der Folge wird der Unterarm in einer für die Chassaignac-Lähmung charakteristischen Schonstellung gehalten und wirkt dadurch wie gelähmt.

Ursachen der Chassaignac-Lähmung

Die Chassaignac-Lähmung betrifft ausschließlich sehr kleine Kinder. Nach dem fünften Lebensjahr tritt sie praktisch nicht mehr auf. Der Grund ist, dass die Haltebänder im Kleinkindalter noch sehr elastisch und flexibel sind und der Speichenkopf daher leicht aus dem Halteapparat rutschen kann.

Im Schulkindalter sind die Bänder bereits kräftig genug, um den Knochen auch unter Belastung sicher an seinem Platz zu halten. Die Chassaignac-Lähmung wird ausgelöst durch plötzlichen, starken und unvorbereiteten Zug am Unterarm oder an der Hand. Diese Situationen gibt es im Leben kleiner Kinder immer wieder, zum Beispiel wenn Erwachsene das Kind an der Hand hochziehen.

Auch das beliebte „Engelein-flieg-Spiel“, bei dem das Kind an den Händen gefasst und schnell im Kreis herum gewirbelt wird, birgt ein besonders hohes Risiko für das Auftreten einer Chassaignac-Lähmung.

Symptome und Verlauf der Chassaignac-Lähmung

Der Eintritt der Chassaignac-Lähmung ist sehr schmerzhaft, aber in der Folge bestehen normalerweise keine oder nur geringe Schmerzen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Arm nicht bewegt wird. Das Kind wird seinen Unterarm leicht gebeugt und einwärts gedreht halten, sodass für Laien der Eindruck einer Lähmung entsteht.

Das Kind bewegt den Arm nicht mehr und benutzt ihn auch nicht mehr zum Spielen oder um Dinge zu greifen. Ruhige und kooperative Kinder können den Arm beugen und strecken, jedoch den Unterarm nicht drehen, andere verweigern jede Bewegung.

Diagnose von Chassaignac-Lähmung

Für einen erfahrenen Arzt - in den meisten Fällen ein Kinderarzt oder Orthopäde - ist die Diagnose der Chassaignac-Lähmung anhand der typischen Haltung des kleinen Patienten sehr einfach. Meist ist keine Röntgenuntersuchung erforderlich. Um einen zusätzlichen Bruch auszuschließen, wird jedoch häufig auch eine Röntgenaufnahme gemacht.

Besteht ausschließlich eine Chassaignac-Lähmung, so ist das Röntgenbild unauffällig. In manchen Fällen ist bereits die Vorbereitung der Röntgenaufnahme die ganze Therapie: Durch die Vorbereitung für die Aufnahme, nämlich das Positionieren des Arms in die richtige Stellung, springt das Radiusköpfchen wieder in sein Band zurück und die Störung ist behoben.

Behandlung von Chassaignac-Lähmung

Die Behandlung der Chassaignac-Lähmung besteht im Einrenken des Radiusköpfchens. Diese erfolgt durch eine spezielle, „Chassaignac-Griff“ genannte Technik. Es gibt verschiedene Varianten dieses Griffes, das Prinzip ist aber immer gleich: Durch starken Zug am Arm mit gleichzeitiger Auswärtsdrehung springt das Radiusköpfchen wieder in sein Band. Eine Narkose ist nicht erforderlich.

Unmittelbar nach der Einrenkung ist das Kind beschwerdefrei: Es hat keine Schmerzen mehr und kann den Arm problemlos bewegen. In seltenen Fällen wird der Arzt den Arm noch für eine kurze Zeit mit einer Schlinge oder einem Gips ruhig stellen. Diese Maßnahme kann sinnvoll sein, wenn die Behandlung erst einige Tage nach der Teilausrenkung durchgeführt wurde. Dann ist nämlich das Risiko für ein erneutes Auftreten einer Chassaignac-Lähmung erhöht.

Einige Tage bis zwei Wochen Ruhigstellung des Arms sind in der Regel ausreichend, um das Risiko auf den normalen Wert zu senken. In den seltenen Fällen, in denen eine Behandlung der Chassaignac-Lähmung erst nach einer längeren Zeit erfolgt, klagt das Kind möglicherweise auch noch einige Tage nach der Einrenkung über mäßige Schmerzen.

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Vorbeugung von Chassaignac-Lähmung

Die Vorbeugung der Chassaignac-Lähmung ergibt sich aus den Gründen für ihre Entstehung: Erwachsene sollten es vermeiden, starken Zug auf den Arm eines kleinen Kindes auszuüben. Beachtet werden muss zum Beispiel, das Kind nicht an den Unterarmen, sondern am Oberkörper hoch zu heben.

Auch sollte das Kind nicht am Arm vom Boden hochgezogen werden, besonders nicht, wenn es sich dagegen wehrt. Beim „Engelein-flieg-Spiel“ muss es unter den Achseln sicher gehalten werden. Auch Situationen, in denen ein Kind an der Hand gehalten wird und dann unvermittelt stürzt (zum Beispiel beim Balancieren), sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Das Wissen von Eltern über die Chassaignac-Lähmung und ihre Ursachen ist noch immer gering. Die meisten Eltern ahnen nichts von den Ursachen und können sich daher auch nicht umsichtig verhalten. Meist werden sie erstmalig von ihrem Kinderarzt über Verhaltensmaßnahmen informiert, wenn sich ihr Kind eine Chassaignac-Lähmung zugezogen hat.

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