Blutungsanämie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Dezember 2014
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Blutungsanämie bezeichnet Blutarmut. Sie entsteht durch eine Blutung – durch Blutverlust. Eine Blutungsanämie kommt in vielen Fällen eher schleichend und bleibt lange Zeit unbemerkt. Dies gilt insbesondere für die chronische Blutungsanämie, bei welcher ständig Blut verloren wird im Gegensatz zur akuten Blutungsanämie als Folge eines akuten Blutverlusts nach Unfällen & Co.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blutungsanämie?

Eine Blutungsanämie entsteht, wenn ein Ausgleich des Blutverlusts qua vermehrter Produktion von rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) und roten Blutkörperchen nicht mehr möglich ist. Eine akute Blutungsanämie tritt bei einem erwachsenen Menschen nach schnellem und plötzlichem Blutverlust (ca. 20 Prozent der Gesamtblutmenge) ein.

Beträgt der Blutverlust mehr als 30 Prozent, kommt es zu Schocksymptomen. Bei noch stärkerem Blutverlust (mehr als 50 Prozent der Gesamtblutmenge) entwickelt sich eine extrem lebensbedrohliche Situation, welche einer sofortigen Therapie bedarf - sonst endet sie tatsächlich tödlich.

Während Blutungen nach außen - beispielsweise bei der Menstruation - im Prinzip ohne weiteres zu erkennen sind, lassen sich Blutungen im Verborgenen, sogenannte okkulte Blutungen, wesentlich schwieriger identifizieren. Zu letzteren zählen leicht blutende Magengeschwüre, Divertikelblutungen des Darms, aber auch Dickdarmkrebs.

Ursachen von Blutungsanämie

Als eine der häufigsten Ursachen für eine Blutungsanämie gilt die Regelblutung der Frau. Sie ist zwar keine Krankheit an sich, sondern vielmehr ein ganz natürlicher Vorgang, dennoch kann sie vor allem bei kleineren Frauen einen nicht unerheblichen Eisenverlust bedingen und eine Anämie mit ihren typischen Symptomen (Blässe, rasche Ermüdbarkeit, Schwäche) hervorrufen.

Menstruation und Anämie korrelieren: Bei einer vergleichsweise starken Menstruation ist auch die Anämie relativ schwer wie umgekehrt eine nicht so starke Menstruation dementsprechend eine nicht so schwere Anämie zur Folge hat. Keine Frage: Bei einer Blutungsanämie, deren Ursache unklar ist, steht eine mögliche Darmkrebserkrankung im Raum – können Krebsgeschwüre doch leicht bluten, ohne dass der Betroffene etwas merkt.

Dasselbe gilt für blutende Divertikel und Magengeschwüre. Die Blutverluste treten hauptsächlich im Darmbereich auf. Darüber hinaus können aber auch die Harnwege betroffen sein, wenn Blut abgeführt wird. Bei derartigen kontinuierlichen Blutverlusten entsteht eine Mangelsituation: Die Blutproduktion kann den Verlust nicht mehr ausgleichen, was zu einem Mangel an roten Blutkörperchen führt. In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es bei Blutungsanämien um Eisenmangelanämien. Das heißt: Die Anämie wird weniger durch einen Mangel an Blutzellen, sondern vielmehr durch einen Mangel an Eisen verursacht. Letzteres ist vielfach auf eine mangelhafte Zufuhr von Eisen bei der Ernährung zurückzuführen.

Symptome und Verlauf von Blutungsanämie

Typische Symptome einer Blutungsanämie:

Blässe, verminderte Leistungsfähigkeit sowie ein Gefühl der Schwäche gelten als Symptome einer Blutungsanämie genauso wie schnelle Ermüdbarkeit beziehungsweise Dauermüdigkeit. Mangelnde Konzentration und eingeschränkte Leistungsfähigkeit gehen damit einher. Darüber hinaus kann es zu Herzklopfen, Herzrasen, Atemnot sowie Kreislaufproblemen und Schweißausbrüchen kommen.

Mitunter klagen die Betroffenen auch über Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Bei Eisenmangel können auch Haar und Nägel brüchig, die Haut trocken und rissig werden. Hinzu kommen neben Durchfall beziehungsweise Verstopfung sowie Blähungen nicht selten Kopfschmerzen. Derartige Erscheinungen decken sich mit den Symptomen, die auch bei anderen Anämieformen zu beobachten sind – also nicht nur bei der Blutungsanämie.

Keine Frage: Diese Symptome sind nicht besonders charakteristisch, weshalb sie auch in der Regel von den Betroffenen nicht allzu ernst genommen werden. Das hat zur Folge, dass erst relativ lange gewartet wird, ehe ein Arzt aufgesucht wird. Die Konsequenzen können gravierend sein, wenn auf diese Weise Anämien lange unbehandelt bleiben. Besonders kritisch ist dies bei einer ursächlichen Tumorerkrankung.

Diagnose von Blutungsanämie

Eine fundierte Diagnose einer Blutungsanämie lässt sich nur mithilfe der Anamnese stellen. Hierbei stellt der Arzt spezifische Fragen hinsichtlich eines potentiellen Unfallereignisses. Darüber hinaus fragt er auch nach Operationen und Blutungen genauso wie nach bestimmten Erkrankungen, zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen, Leberschädigungen, Geschwüren etc.

Bereits eine einfache Blutuntersuchung, gibt näheren Aufschluss: Ist der Hämoglobinwert nämlich erniedrigt, dann ist von einer Anämie auszugehen. Um welche Anämieform es sich konkret handelt, weiß er zu diesem Zeitpunkt in der Regel jedoch nicht. Hierzu bedarf es näherer Informationen über die Größe der roten Blutkörperchen. Liegt eine Blutungsanämie vor, sind die roten Blutkörperchen zwar von normaler Größe – jedoch in verminderter Zahl.

Darüber hinaus ist in der Regel ein Eisenmangel feststellbar. Eine derartig latente Anämie ist bei Frauen keine Seltenheit – hängt sie doch mit der Menstruation zusammen beziehungsweise wird durch sie bedingt. Allerdings sollte in Fällen größerer Abweichungen vom Normwert sowie bei plötzlichem Auftreten im Alter, wenn zuvor noch nie eine Anämie diagnostiziert wurde, genauer nachgeforscht und untersucht werden. Dazu gehört eine Stuhluntersuchung, um eventuell verstecktes Blut zu entdecken. Nicht selten schließt sich eine Darmspiegelung an – dies um eine Divertikulose und nicht zuletzt eine Krebserkrankung auszuschließen.

Behandlung von Blutungsanämie

Ist die Blutungsanämie nicht schwerwiegend, so lässt sie sich in vielen Fällen schon mit einer kontinuierlichen Einnahme von Eisenpräparaten in Tablettenform beheben. Die tägliche Dosis unterstützt die Blutbildung nachhaltig, sodass ein Ausgleich laufender Blutverluste – wie bei der Menstruation – problemlos erfolgt. Das Erfreuliche: Nach wenigen Wochen bessert sich in der Regel auch das Allgemeinbefinden – also die Symptomatik.

Bei Vorliegen einer Krebserkrankung, eines Magengeschwürs oder aber einer chronischen Entzündung ist unverzüglich mit einer entsprechenden Behandlung zu beginnen. Kommt es zu Blutungen im Magen-Darmstrakt - zum Beispiel infolge eines Magengeschwürs - können zunächst eine medikamentöse Behandlung sowie Tamponaden oder auch eine Verödung der blutenden Gefäße Abhilfe schaffen. Schlägt diese Therapie nicht an, so führt kein Weg an einem chirurgischen Eingriff vorbei, um die Blutung zum Stillstand zu bringen.

Sollte für die Blutungsquelle ein Darmtumor verantwortlich sein, bedarf es in der Regel eines Endoskops, um die Blutungsquelle zu sklerosieren – also zu veröden. Wie auch immer - bei einer lebensbedrohlichen Massenblutung im Brustraum muss in jedem Fall umgehend operiert werden. Hierzu wird die Brusthöhle geöffnet.

Keine Frage: Bei einer akuten Blutungsanämie ist sofortiges Handeln gefragt – geht es dabei nicht selten um Leben oder Tod. In solch schwerwiegenden Fällen – zum Beispiel nach einem Unfall – muss direkt eine Schockbehandlung, eventuell auch eine Reanimation, eingeleitet werden. Je nach Einzelfall sind Bluttransfusionen zu erwägen. Bei einer unfall- und verletzungsbedingten Blutungsanämie ist die offene Wunde – schon am Unfallort – steril abzudecken. Etwaige Frakturen, die verschoben sind, müssen sofort in ihre normale anatomische Ausgangsstellung gebracht werden. Dies ist sehr wichtig – sollen doch auf diese Weise potentielle Durchblutungsstörungen sowie Nervenverletzungen verhindert werden.

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Vorbeugung von Blutungsanämie

Die Vielzahl möglicher Ursachen für eine Blutungsanämie macht es nicht gerade leicht, die richtigen prophylaktischen Maßnahmen zu ergreifen. Wer an sich bestimmte Symptome wie Dauermüdigkeit & Co. beobachtet, der sollte in jedem Fall möglichst zeitnah einen Arzt konsultieren. In frühen Stadien lassen sich die meisten Ursachen einer Blutungsanämie noch sehr wirkungsvoll behandeln. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks. Wenn nötig, sollte eine Umstellung der Lebensweise erfolgen – neben [[gesunde Ernährung|gesunder ausgewogener Kost], ausreichend Bewegung, kein Nikotin und kaum Alkohol.

Grundsätzlich dient eine gesunde und ausgewogene Ernährung der Vorbeugung einer Blutungsanämie. Hierbei ist neben Eisen vor allem auf die Zufuhr von Folsäure und Vitamin B12 in ausreichender Menge zu achten. Der regelmäßige Verzehr von frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, magerem Fleisch, Fisch sowie Milch/Milchprodukten ist normalerweise schon ausreichend.

Eisen findet sich insbesondere in Vollkornprodukten, aber auch in Gemüse und Fleisch. Folsäure ist in Fisch, Nüssen, grünem Gemüse, aber auch in Kakao enthalten. Vitamin B12 ist in Fleisch und Fisch genauso wie in Ei und Milch, aber auch in Sauerkraut zu finden. Bei schweren Verletzungen sollte in jedem Fall sofort ein Notarzt o. ä. gerufen werden, welcher die Blutungsquelle diagnostiziert und die Blutung zum Stillstand bringt. So lässt sich einer akuten Blutungsanämie beziehungsweise eines Kreislaufschocks wirkungsvoll vorbeugen. Ist die Erkrankung chronisch, ist deren rechtzeitige Entdeckung mit entsprechender Behandlung genauso wie deren Vermeidung von ausschlaggebender Bedeutung.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Brummbaer kommentierte am 12.04.2016 um 13:26 Uhr

Liegt ein grober Behandlungsfehler vor, wenn ein Hb-Wert von 6,0 bekannt ist, aber 18 Tage lang nicht behandelt wird? Ergebnis war Entgleisung der Gerinnung und weiteres Sinken des Hb-Wertes auf 3,3.