Blepharospasmus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. September 2016
Gesundpedia.deSymptome Blepharospasmus

Der Blepharospasmus - auch Lidkrampf genannt - ist trotz seiner harmlos klingenden Bezeichnung für die Betroffenen eine starke Belastung, da ihre Gesichtsmimik stark verändert ist. Er tritt entweder ohne erkennbare Ursache auf oder ist Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Die Erkrankung kommt lediglich bei 3 bis 4 von 100.000 Menschen vor und betrifft meist Frauen im mittleren oder höheren Lebensalter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Blepharospasmus?

Unter einem Blepharospasmus versteht der Mediziner einen unwillkürlichen heftigen Krampf eines Augenlids oder beider Lider. Der Zustand tritt spontan vorübergehend auf oder hält dauerhaft an, ohne dass der Betroffene Kontrolle über ihn hat. Die von dem nicht beeinflussbaren Lidkrampf in Mitleidenschaft gezogenen Muskeln sind der Augenringmuskel (Musculus orbicularis oculi) und mitunter auch andere in der Nähe der Lider befindliche Muskeln.

Die Erkrankung kommt in drei Formen vor: als klassischer Blepharospasmus mit kurzfristigen wiederkehrenden Krämpfen, als dauerhafte Verkrampfung des Augen-Lids (tonischer Blepharospasmus) und als Lidöffnungsinhibition. Bei ihr sind die Patienten nicht mehr in der Lage, die Augen (weiter) zu öffnen, obwohl von außen keine Muskel-Verkrampfungen sichtbar sind. Sie kommt nicht durch einen sich zusammenziehenden Augenringmuskel zustande, sondern durch einen Spasmus des Stirnmuskels. Eine derartige Lidöffnungsapraxie (funktionelle Blindheit) liegt auch dann vor, wenn dem Patienten wiederholt die Augenlider zufallen, ohne dass er diesen Vorgang willentlich beeinflussen kann.

Der tonische Lidkrampf führt zu einer dauerhaften Verengung des Lid-Spalts. Der Mediziner spricht jedoch von einer paradoxen Dystonie, wenn sich die Krämpfe beim Herumlaufen oder Sprechen des Patienten bessern. Der Augenlid Krampf kann die Lebensqualität der Betroffenen so stark beeinflussen, dass sie erhebliche seelische Probleme bekommen. Ein stark ausgeprägter Blepharospasmus hat mitunter auch eine Erblindung zur Folge.

Ursachen

Die genauen medizinischen Ursachen des Blepharospasmus sind noch unbekannt. Entsprechend der Ursache der seltenen Erkrankung unterscheidet der Mediziner zwei Formen. Der primäre (essenzielle) Lidkrampf tritt ohne erkennbare Ursache auf. Allerdings scheint er auf einer Störung des biochemischen Gleichgewichts innerhalb der Basalganglien des Gehirns zu beruhen. Wie sie zustande kommt, ist noch unklar. Der symptomatische (sekundäre) Blepharospasmus wird von einer Schädigung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) ausgelöst. Andere Ursachen für die psychisch belastende Verkrampfung der Augenlider sind Augen oder Nervenerkrankungen. Der primäre Blepharospasmus kommt häufiger vor als der von einer Grunderkrankung verursachte Lidkrampf.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Kommt es bei einer Person des öfteren zur Verkrampfung eines Lids, zum Blinzeln oder klagt sie über ein Fremdkörpergefühl am Auge, sollte sie baldmöglichst einen Augenarzt aufsuchen. Bei der Untersuchung ermittelt der Arzt, wie häufig der Patient blinzelt. Tut er das öfter als 27-mal in der Minute - normal wären bis zu 20-mal - liegt ein Lidkrampf vor. Dann erfolgt eine Messung der Augenmuskel Aktivität per Elektromyografie (EMG) am Augenringmuskel und anderen in Augen-Nähe befindlichen Muskeln. Um herauszufinden, ob der Lidkrampf von einer Nervenerkrankung ausgelöst wird, führt man eine Magnetresonanztomographie durch.

Die Augenuntersuchung mit der Spaltlampe dient dazu, eine Bindehaut oder Hornhaut-Reizung und eine akute oder chronische Augenentzündung diagnostisch auszuschließen. Die Verkrampfung der Augenmuskulatur zeigt sich bei vielen Betroffenen anfangs nur auf einer Seite und ist nur leicht ausgeprägt: Es sieht aus, als würden sie blinzeln. Mitunter haben die Patienten auch nur ein Fremdkörpergefühl am Auge. Im weiteren Krankheitsverlauf verändert sich ihre Mimik zusehends. Es kommt zu immer häufigeren und länger anhaltenden Krämpfen. Das krampfhafte Zucken tritt alle 20 Sekunden auf und dauert minutenlang an.

Am Anfang lässt sich dieser Zustand noch mit Tricks wie Kaugummi kauen oder Gähnen beenden. Patienten mit einem essenziellen Blepharospasmus zeigen ausgeprägtere Symptome, wenn sie beispielsweise hellem Licht, Durchzug oder (emotionalem) Stress ausgesetzt sind. Innerhalb geschlossener Räume treten die Beschwerden meist nicht so häufig und intensiv auf wie draußen. Bei manchen von ihnen zeigen sich die Symptome außerdem beim Lesen. Nachts lassen die starken Beschwerden oft nach, sodass der Patient am nächsten Morgen weniger heftige Symptome aufweist.

Behandlung und Therapie

Der Blepharospasmus wird kausal - also entsprechend der Krankheitsursache - therapiert. Ist keine Ursache offensichtlich, kann eine lokale Verabreichung von Botox (Botulinumtoxin A, BTX) hilfreich sein. Dabei wird eine sehr geringe Dosis des Nervengifts mit einer sehr dünnen Nadel an vier Stellen rund um das Auge direkt in den krampfenden Muskel injiziert. Der Einstich verursacht in der Regel keine Schmerzen. Das Bakteriengift lähmt den Augenringmuskel innerhalb der darauf folgenden drei Tage. In spätestens ein bis zwei Wochen ist der Muskel dann vollständig entspannt.

Da das Botulinumtoxin A jedoch im Laufe der Zeit vom Körper abgebaut wird, muss die Behandlung etwa alle 3 Monate wiederholt werden. Bei einem einseitigen Lidkrampf injiziert der Mediziner 2- bis 3-mal jährlich Botox. In einzelnen Fällen kann es dabei zum dauerhaften Herabhängen (Ptosis) oder zur Auswärts-Wendung des Augenlids (Ektropium) kommen. Bei 5 bis 10 Prozent der von einem Blepharospasmus betroffenen Patienten wirkt das muskellähmende Gift überhaupt nicht oder nur unzureichend.

Von einer Verabreichung von muskelentspannenden Medikamenten (Muskelrelaxanzien) oder Beruhigungsmitteln wie beispielsweise Benzodiazepinen sehen die behandelnden Mediziner oft ab, da diese Mittel den Zustand des Patienten nur geringfügig bessern. Außerdem haben sie oft starke Nebenwirkungen. Eine weitere therapeutische Option ist die vollständige oder teilweise operative Entfernung des Augenringmuskels oder die Durchtrennung der Nervenverbindungen zwischen dem Gesichtsnerv (Nervus facialis) und dem Augenringmuskel. Hat der Lidkrampf seelische Ursachen oder ist er stressbedingt, können eine Psychotherapie, Hypnose oder alternativ-medizinische Verfahren wie die Akupunktur sinnvoll sein.



Vorbeugung

Dem Auftreten eines Blepharospasmus kann der Patient nicht vorbeugen. Allerdings sollte er starke Sonneneinstrahlung meiden und nicht zu lange fernsehen. Das Tragen einer sehr dunklen Sonnenbrille kann ebenfalls einen Lidkrampf verhindern helfen.

Außerdem verschwinden die störenden Blepharospasmus Symptome immer dann, wenn der Patient eine für ihn ungewohnte Tätigkeit wie beispielsweise das rückwärts laufen verrichtet oder sich hinlegt.

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