Bläschendrüse

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. November 2016
Gesundpedia.deAnatomie Bläschendrüse

Die Bläschendrüse, die paarig angelegt ist, wird den akzessorischen Geschlechtsdrüsen des Mannes zugeordnet. Ihre Ausleitungsgänge münden gemeinsam mit dem jeweiligen Samenleiter im Bereich der Prostata in die Harnröhre. Die beiden Bläschendrüsen sind unmittelbar oberhalb der Prostata zwischen Dickdarm und Harnblase angeordnet. Das Sekret der Bläschendrüsen ist alkalisch, enthält viel Fructose und macht etwa 70 % des Ejakulats aus.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Die beiden Bläschendrüsen (Vesiculae seminales) sind die wichtigsten akzessorischen Geschlechtsdrüsen des Mannes. Das produzierte Sekret ist alkalisch und veranlasst die noch nicht voll ausgereiften Spermien zu Bewegungsaktivitäten. Gleichzeitig werden die Spermien über den Fructoseanteil mit Energie versorgt.

Das produzierte Sekret wird per Exozytose, also über winzige Vesikel als Transportvehikel aus den Zellen in den Ausführungsgang befördert und von dort weiter über den Spritzkanal (Ductus ejaculatoris) zusammen mit den Spermien in die Harnröhre.

Anatomie

Die Bläschendrüsen wurden früher häufig fälschlicherweise als Samenblase bezeichnet, obwohl sie nicht mit Spermien in Berührung kommen. Sie haben eine längliche Form und bestehen aus einem einzigen, mehrfach in sich gefalteten, schlauchartigen Hohlraum von etwa 5 cm Länge und einem weiten Lumen. Das Lumen mündet am unteren Ende mit dem jeweiligen Samenleiter (Ductus deferens) in den Spritzkanal, der in die Harnröhre mündet.

Das Sekret, das die Zellen der Bläschendrüsen produzieren, wird per Exocytose aus den Zellen in den Ausführungsgang verfrachtet. Das bedeutet, dass das Sekret nach der Synthese in winzige Vesikel innerhalb der Zelle eingeschlossen wird und sich die Membran der Vesikel mit der Zellwand der produzierenden Zelle verbinden kann und der Vesikelinhalt in den Ausführungsgang entleert wird.

Die Zellen, die direkt an das Lumen angrenzen, verfügen über einige wenige glatte Muskelzellen, die auf eine sexuelle Stimulation reagieren können. Falls eine Ejakulation zustande kommt, sind sie in der Lage, ihr Sekret durch pulsartige Kontraktionen aus dem Ausführungsgang in den Spritzkanal zu pressen.

Funktion

Die beiden Bläschendrüsen werden zu den akzessorischen Geschlechtsdrüsen gerechnet, weil ihr Sekret dem Ejakulat als wichtiger Bestandteil beigemischt wird. Die erste Hauptaufgabe besteht darin, den pH-Wert des Ejakulats zu erhöhen, damit die Spermien, die sich bis zu diesem Moment in relativ saurem Milieu in einer Art Starre befinden, zu verstärkter Aktivität angeregt werden.

Damit sich die Spermien aber nicht zu früh verausgaben, liefern die Bläschendrüsen „Wegzehrung“ in Form von Fructose gleich mit. Zusätzlich produzieren die Drüsen ein Hormon, das die Spermien in eine Art Matrix verpackt werden, die verhindert, dass ihre Vollausreifung zu befruchtungsfähigen Samenzellen (Kapazitation) verzögert wird. Die Kapazitation erfolgt dann erst durch ein antagonistisches Hormon, das sich im Zervixschleim der Vagina befindet.

Eine weitere Aufgabe der Bläschendrüsen besteht darin, ein Hormon beizusteuern, das die Spermien vor einem möglichen Immunangriff im weiblichen Genitaltrakt schützt. Das Hormon trägt damit entscheidend zur Überlebensfähigkeit der Spermien bei bis zur möglichen Andockung an die weibliche Eizelle.

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Erkrankungen der Bläschendrüse

Die weitaus häufigste Erkrankung der Bläschendrüsen besteht in einer akuten oder chronischen Entzündung (Vesiculitis). Die Vesiculitis kann durch eine Infektion mit krankmachenden Keimen wie Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht werden. Häufig wird bei einer Vesiculitis gleichzeitig eine Entzündung der Prostata diagnostiziert. Die Erkrankung verursacht meist Schmerzen im Unterbauch. Häufig werden auch unspezifische Symptome wie Fieber und Schüttelfrost beobachtet, symptomatisch ist auch Blut im Ejakulat.

Der unbehandelte Verlauf einer Vesiculitis kann zu einem Abszess in der Bläschendrüse oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung führen. Für eine Differentialdiagnose, bei der vor allem abgeklärt werden kann ob die unspezifischen Symptome evtl. durch ein Prostatakarzinom oder durch eine Tuberkuloseinfektion verursacht wurden, werden bildgebende Diagnoseverfahren eingesetzt. Besonders erwähnenswert sind dabei transrektaler Ultraschall (TRUS), Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT).

In seltenen Fällen kann eine embryonale Entwicklungsstörung zu einer Fehlanlage der Bläschendrüsen führen oder zu einem völligen Fehlen (Aplasie). Eine embryonale Fehlentwicklung betrifft meist auch eine Fehlentwicklung der Samenleiter. Verursacher dieser genetisch bedingten Krankheit sind Mutationen an einem Gen, das auch der Auslöser für das Auftreten der cystischen Fibrose (CF) ist.

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