Bettnässen (Enuresis)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. März 2015
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Das Bettnässen (Enuresis) tritt bei vielen Kindern auf. Mit diesem Begriff wird jedoch nicht das gelegentliche Einnässen von einem Kind unter sechs Jahren gemeint. Enuresis beschreibt eine regelmäßige sowie nicht gewollte Blasenentleerung bei über 5-Jährigen, die nicht aufgrund von organischen Veränderungen oder Grundkrankheiten passiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bettnässen (Enuresis)?

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Bettnässen (Enuresis) ist eine unbeabsichtigte Entleerung der Blase zur falschen Zeit und am falschen Standort. Es ist eine eigenständige Störung, wenn das Kind über 5 Jahre alt ist, diese über einen gewissen Zeitraum auftritt und keine Grunderkrankungen oder organische Gründe vorliegen.

Diese Störung wird untergliedert nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens. So gibt es das Einnässen am Tag bzw. Enuresis diurna, das Einnässen während der Nacht bzw. Enuresis nocturna sowie das Einnässen nachts und tagsüber bzw. Enuresis diurna et nocturna. Die selten auftretende Enuresis diurna kann auch als Harninkontinenz bezeichnet werden.

Ursachen

Das Bettnässen hat unterschiedliche Ursachen. Zu den potenziellen Gründen gehören Erbfaktoren, psychologische Faktoren, hormonelle Störungen oder physische Auslöser. Besteht ein Bettnässen ohne eine trockene Phase über längere Zeit, können auch anlagebedingte Entwicklungsverzögerungen des Kindes die Ursache sein.

Des Weiteren spielen psychosoziale Ursachen sowie psychische Faktoren manchmal eine Rolle. Auch organische Ursachen können die Gründe sein. Dies trifft vor allem zu, wenn das Einnässen am Tag stattfindet. Diese müssen bei der Diagnose ausgeschlossen werden.

Der häufigste physische Grund für Einnässen am Tag ist eine simple Harnwegsentzündung. Ein Einnässen tagsüber und/oder nachts kann zudem auf Epilepsie, neurologische Störungen, Diabetes mellitus oder anatomische Fehlbildungen der Harnwege hindeuten. Auch eine Schlafapnoe kann der Grund für ein Bettnässen (Enuresis) sein.

Symptome und Verlauf

Das Bettnässen ist charakterisiert durch ein ungewolltes Einnässen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten hinweg. Weitere Symptome können je nach der Art und Ursache der Störung auftreten. Das Einnässen kann im weiteren Verlauf der Störung von allein verschwinden. Dies wird daran deutlich, dass 33 % der 5-Jährigen nachts regelmäßig ungewollt die Blase entleeren. Bei den 7-Jährigen sinkt die Zahl auf 10 Prozent. Aus diesem Grund wird das Bettnässen auch zu den gutartigen Störungen gezählt. Vereinzelt verbleibt das Bettnässen jedoch über die Kindheit und Jugendzeit hinaus, sodass sich die Symptome einer Enuresis noch bei circa 1 % aller Erwachsenen finden.

Diagnose

Zur Diagnose des Bettnässens erfolgt im ersten Schritt eine Aufnahme der ausführlichen Krankengeschichte. Ferner sollten zur Ursachenerforschung eine körperliche Untersuchung und eine Analyse des Harns erfolgen. Ferner kann eine Ultraschalluntersuchung bzw. Sonografie der Nieren und Harnwege empfehlenswert sein, um physische Fehlbildungen als Gründe für das ungewollte Einnässen mit Sicherheit auszuschließen.

Zur grundsätzlichen Abklärung kann es ferner empfehlenswert sein, das Kind stationär aufzunehmen. Nur so können umfassende psychologische Zusatzuntersuchungen und Verlaufsbeobachtungen ermöglicht werden. Dabei werden die Häufigkeit des Urinierens sowie die Menge des Urins in einem sogenannten 24-Stunden-Miktionsprotokoll aufgenommen, um die Ursachen des Bettnässens (Enuresis) zu erforschen.

Behandlung und Therapie

Beim Bettnässen ist die erste Therapiemaßnahme eine Beratung der Familie sowie des Kindes, um über die Störung aufzuklären. Ferner werden potenzielle psychosoziale Belastungsfaktoren besprochen.

Sind diese einfachen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichend, kann eine Therapie mit einem Klingelgerät ausprobiert werden. Für diese apparative Verhaltenstherapie existieren Klingelmatten und Klingelhosen, welche beim Urinieren ein Signal abgeben. Durch dieses wacht das Kind auf.

Der Lernprozess soll dem Kind beibringen, trocken durchzuschlafen oder bei voller Blase aufzuwachen. Das Gerät wird über mehrere Wochen eingesetzt. Diese Therapieform erweist sich jedoch nur als sinnvoll, wenn die Eltern beim Klingeln aufstehen und mit dem Kind zur Toilette gehen.

Abgesehen von einem Klingelgerät existieren noch weitere verhaltenstherapeutische Methoden, um ein Einnässen zu eliminieren. Dazu gehört das sogenannte Blasentraining, bei dem die Kinder die Kontrolle der Blase erlernen sollen. Diese Behandlungsmethode wird häufig mit einem Belohnungssystem für trockene Nächte kombiniert. Dies wird auch als operante Konditionierung bezeichnet.

In einigen Fällen werden gegen das Bettnässen Medikamente eingenommen. Der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff heißt Desmopressin und ist dem körpereigenen Hormon Vasopressin ähnlich. Dieses ist für die Hemmung der Wasserausscheidung und die Verringerung der Blasenfüllung verantwortlich.

Das Arzneimittel wird in Tablettenform gereicht und zeichnet sich durch eine gute Verträglichkeit aus. Die medikamentöse Behandlung des Bettnässens zeigt mit 70 % eine hohe Erfolgsquote.

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Vorbeugung

Einem Bettnässen kann unter Umständen durch verschiedene Maßnahmen vorgebeugt werden. Zum einem darf kein Druck aufgebaut werden, da dieser ein Bettnässen aus psychischen Gründen fördert. Daher sollte auch ein sehr strenges und frühes Toilettentraining vermieden werden. Begründet sich das Einnässen durch falsche Trinkgewohnheiten, sollten diese geändert werden. Das Kind sollte über den Tag hinweg ausreichend trinken, sodass es zwei Stunden vor dem Schlafengehen kaum noch Durst hat. Ferner kann eine starke Stressbelastung während der Sauberkeitserziehung sowie körperliche Ursachen ein Bettnässen erzeugen.

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