Appendektomie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. Juni 2016
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Die Appendektomie bezeichnet die Entfernung des Wurmfortsatzes des Blinddarms. Sie wird auf Wunsch des Patienten zur Prophylaxe sowie bei akuter Blinddarmentzündung operativ durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Appendektomie?

Blinddarm und Wurmfortsatz gelten als evolutionsbiologisches Überbleibsel. Nahezu alle Säugetiere haben sowohl Blinddarm als auch Wurmfortsatz, beim Menschen erfüllen diese Teile des Darms jedoch keine Funktion mehr. Sie befinden sich am Übergang des Dünndarms zum Mastdarm am Ende des Verdauungstraktes, meist im rechten Unterbauch - bei spiegelverkehrt angeordneten Organen liegen sie linksseitig.

Der Blinddarm kann sich entzünden und wird dann zur lebensbedrohlichen Gefahr, da er reißen und septisches Material in den Bauchraum streuen kann - die Appendektomie ist somit eine lebensrettende Operation und gleichzeitig die einzige effiziente Behandlung der akuten Appendizitis. Wird diese rechtzeitig erkannt, kann die Appendektomie rechtzeitig durchgeführt werden und ist heute für den Patienten in diesem Zustand relativ risikoarm.

Meist bleibt der Patient wenige Tage nach der Appendektomie im Krankenhaus, bis der Kreislauf sich stabilisiert und die OP-Schmerzen erträglich geworden sind, danach darf er entlassen werden. Die Entfernung des Wurmfortsatzes ist auch auf Patientenwunsch möglich, wenn der Patient der Appendektomie im Notfall entgehen möchte.

Bei der Appendektomie wird der entzündete Wurmfortsatz des Blinddarms chirurgisch entfernt (Appendizitis).

Anwendung und Funktion

Die Appendektomie kann entweder am gesunden Menschen oder im Fall der akuten Appendizitis durchgeführt werden. Ersterer Fall ist eine vorbeugende Operation, die auf freiwilliger Basis geschieht, etwa wenn der Patient befürchtet, an einer Blinddarmentzündung erkranken zu können. Häufiger handelt es sich jedoch um eine Notfall-OP, die bei eingetretener Blinddarmentzündung durchgeführt wird.

Die Diagnose der Blinddarmentzündung lässt sich per Ultraschall und Blutuntersuchung treffen, sodass die Appendektomie meist rechtzeitig durchgeführt werden kann, bevor die Erkrankung für den Patienten lebensgefährlich wird. Dabei wird nicht der Blinddarm, sondern nur der entzündete Wurmfortsatz entfernt.

Einen Ausnahmefall stellt die Appendektomie bei bereits geplatztem Wurmfortsatz dar. In diesem Fall ist das Gewebe des entzündeten Blinddarms eingerissen, entzündete Flüssigkeit ist in die Bauchhöhle gelangt und würde unbehandelt zur tödlichen Sepsis führen.

Methoden und Verfahren

Eine Appendektomie bezeichnet nicht die Entfernung des Blinddarms, sondern lediglich des Wurmfortsatzes. Der Patient wird dabei in eine Vollnarkose versetzt, anschließend wird der Bauchraum durch einen möglichst kleinen Schnitt am Unterbauch eröffnet.

Entweder wird der Wurmfortsatz durch Unterbindung oder Elektrokoagulation abgetrennt, wozu er zunächst durch den Schnitt auf die Bauchdecke geholt wird. Auf diese Weise kann der Chirurg den Zustand des Wurmfortsatzes begutachten. Alternativ bietet sich ein laparoskopisches Verfahren an, dieses wird zusammen mit der Unterbindung des Appendix eingesetzt. Bei hochgradiger Entzündung kann im Anschluss noch eine Drainage eingebracht werden.

Was muss der Patient beachten?

Da es sich bei der Appendizitis um einen akuten Zustand handelt, bleibt für die Vorsorge nicht viel Zeit. Die Appendektomie ist häufig eine Notfall-OP, sodass davon ausgegangen werden muss, dass der Patient nicht wie bei üblichen operativen Eingriffen nüchtern ist. Vor der Operation werden Patienten nach ihrer medizinischen Vorgeschichte und bestehenden Erkrankungen befragt, zudem wird die Blutgruppe ermittelt und der Patient über Risiken der OP aufgeklärt.

Mehr Zeit kann die Nachsorge in Anspruch nehmen, da der Patient sich dann meist nicht mehr in einem bedenklichen Zustand befindet. Zunächst bleiben Patienten einige Tage nach der Appendektomie im Krankenhaus, damit sich der Kreislauf stabilisieren und die Schmerzen behandelt werden können.

Die Wundversorgung der frischen Narbe wird dem Patienten bei Entlassung nach Bedarf erläutert und es folgt ein Nachsorgetermin bei seinem Allgemeinmediziner. Möglich ist die Gabe von Antibiotika nach der Appendektomie, um übrige Erreger vollständig abzutöten.

Ablauf und Durchführung

Nach der Vollnarkose des Patienten wird die Bauchdecke geöffnet, dabei gibt es das konventionelle und das laparoskopische Verfahren. Am bekanntesten ist der sogenannte "Bikinischnitt", der Wechselschnitt. Dieser wird seitlich am Unterbauch in der Nähe der Bikinizone durchgeführt. Die darunter liegenden Muskelschichten werden für den Eingriff auseinandergedrängt.

Bei unklarem Befund oder adipösen Patienten kommt der Unterbauchschnitt in Frage, da dieser sich beliebig erweitern lässt, um Differenzialdiagnosen auszuschließen oder überhaupt an den Blinddarm zu gelangen.

Das laparoskopische Verfahren erfordert dagegen einen Zugang von 10 cm knapp unter dem Bauchnabel sowie zwei halb so lange Arbeitszugänge knapp über der Schamhaargrenze. Durch diese Öffnungen kann die Appendektomie schließlich durchgeführt werden, indem der entzündete Wurmfortsatz abgetrennt und der Stumpf desinfiziert und eingestülpt wird.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer trägt die Kosten?

Bei einer Appendektomie bei akuter Appendizitis handelt es sich um eine Notfalloperation. Diese wird vollständig von der Krankenkasse übernommen.

Anders ist es bei Entfernung des Blinddarms auf Wunsch des Patienten, etwa weil dieser eine akute Situation von vornherein vermeiden will. Eine solche Appendektomie zahlt der Patient selbst, da es keine medizinische Indikation für den Eingriff gibt, bis tatsächlich eine Entzündung des Wurmfortsatzes diagnostiziert wird. Behandlungskosten bei Komplikationen würde allerdings auch in diesem Fall die Krankenkasse tragen.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Die Appendektomie birgt neben den üblichen Risiken eines operativen Eingriffs die Gefahr, dass Erreger in der Bauchhöhle verbleiben. Besonders hoch ist das Risiko einer Sepsis oder der Infektion anderer innerer Organe, wenn der Wurmfortsatz bereits gerissen ist. In diesem Fall folgt auf die Appendektomie eine Behandlung mit hochwirksamen Antibiotika auf der Intensivstation.

Weitere Risiken sind Risse am frisch verschlossenen Appendix-Stumpf, Risse der Bauchnarbe, Abszesse am Darm, Bauchfellentzündung, Verwachsungen mit schmerzhaften Langzeitfolgen wie dem Darmverschluss sowie Verletzungen der Nachbarorgane.

Neben dem Riss des entzündeten Wurmfortsatzes vor oder während der Appendektomie können Erreger auch durch die Operation selbst in andere Teile des Bauchraums verschleppt werden, wodurch sich nach der erfolgreichen Appendektomie Entzündungssymptome zeigen würden. Abschließend besteht bei jeder Operationsnarbe das Risiko einer komplizierten Heilung, wodurch die Narbe selbst nach Jahren noch Schmerzen bereiten kann

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