Apherese

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 3. Juni 2016
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Mit einer Apherese wird das Blut des Patienten von schädlichen Stoffen gereinigt und ihm wieder zugeführt. Die Filtrierung erfolgt außerhalb des Körpers mithilfe einer speziellen Maschine und unter Zusatz eines Blutgerinnungshemmers. Das gereinigte Blut lindert die Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Apherese?


Die Apherese wird auch Blutwäsche genannt. Mithilfe des Verfahrens werden krank machende biochemische Substanzen oder bestimmte Bestandteile des Bluts aus dem Blutserum eliminiert. Das geschieht im Innern einer speziell zu diesem Zweck hergestellten Maschine. Das gereinigte Blut wird wieder in den Körper des Patienten zurückgeleitet.

Die Apherese wird in speziellen Apherese-Zentren vorgenommen, von denen es aktuell in Deutschland etwa 100 gibt. Für Dialyse-Patienten gibt es spezielle Dialyse-Zentren. Je nachdem, welcher Stoff aus dem Blut entfernt werden soll, unterscheidet der Mediziner verschiedene Arten von Blutwäsche. Außerdem werden die Apheresen nach ihrem Bestimmungszweck zwei verschiedenen Gruppen zugeordnet.

Die wohl bekannteste Apherese ist die Dialyse (eigentlich Hämodialyse). Bei ihr werden von der geschädigten Niere nur unzureichend abgebaute und daher den Körper vergiftende Stoffwechselabbauprodukte ausgewaschen. Die Isolierung der störenden Substanzen erfolgt über einen Filter oder mittels Zentrifuge. Manchmal reicht eine einmalige Anwendung aus. In anderen Fällen, etwa chronischen Erkrankungen, muss der Patient in regelmäßigen Abständen sein Blut gefiltert bekommen.

Anwendung und Funktion

Apheresen werden bei schweren chronischen Fettstoffwechselstörungen wie beispielsweise der genetisch bedingten Hypercholesterinämie durchgeführt. Bei Patienten mit Durchblutungsstörungen wird das Verfahren als Rheopherese bezeichnet. Außerdem sind sie bei akuten und chronischen Erkrankungen medizinisch angezeigt, die durch eine erhöhte Ansammlung von Giftstoffen im Blut verursacht werden (schwere Alkoholvergiftung, Pilzvergiftung, Blutvergiftung).

Immun-Apherese sorgen bei Autoimmunerkrankungen für eine Entlastung des körpereigenen Immunsystems. Das ist beispielsweise bei rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa der Fall.

Bei der chronischen entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn hilft die Eliminierung der Leukozyten durch die während des Schubs 5-mal pro Woche vorgenommene Apherese, ihn aufzuhalten. Die einmalig pro Monat empfohlene Blutwäsche verhindert ein erneutes Wiederaufflammen der Entzündung. Auch Zuckerkranken mit diabetischen Füßen kann eine Blutwäsche helfen. Bei ihnen wird eine therapeutische Plasmapherese vorgenommen.

Methoden und Verfahren

Bei der Blutwäsche unterscheiden die Mediziner zwei große Gruppen: die therapeutische Apherese und die präparative. Die therapeutische dient der Gesundheitsverbesserung. Das gereinigte Blut bewirkt einen Rückgang der Beschwerden. Das ist zum Beispiel bei der Lipid-Apherese der Fall. Die Entfernung von LDL-Cholesterin, Lipoprotein und des Gerinnungsfaktors Fibrinogen verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und senkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bei der präparativen Apherese werden Blutzellen (weiße, rote, Blutplättchen), Stammzellen und Blutplasma isoliert und in Form einer Spende an andere Kranke übertragen. Je nach Art der gewonnenen Stoffe werden Plasmapherese (Blutplasma), Stammzellapherese (Stammzellen), Thrombozyt-Apherese (Blutplättchen), Erythrozyt-Apherese (rote Blutkörperchen) und Leukapherese (weiße Blutkörperchen) unterschieden.

Was muss der Patient beachten?

Patienten, die gerinnungsfördernde Medikamente einnehmen, müssen diese mindestens eine Woche vor dem geplanten Apherese-Termin absetzen. Manche Apherese Arten wie beispielsweise die Hämodialyse sind für den Kranken körperlich und seelisch anstrengend. Daher sollte der Patient langfristig eine Nierentransplantation in Erwägung ziehen.

Es empfiehlt sich, nach beendeter Blutwäsche nicht sofort aufzustehen und den Heimweg anzutreten. Um eventuellen negativen Folgen vorzubeugen, empfiehlt es sich, noch für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht zu verbleiben, bis sich der Kreislauf wieder einigermaßen stabilisiert hat. Während dieser Zeit misst der Arzt öfter den Blutdruck und führt Puls-Kontrollen durch.

Ablauf und Durchführung

Die präparative und die therapeutische Apherese werden nach demselben Verfahren durchgeführt. Der Kranke wird im Vorgespräch über die Details der Durchführung und die möglichen Gefahren und Nebenwirkungen der Blutwäsche informiert. Der Mediziner wiederum achtet darauf, dass beim Patienten ganz bestimmte Erkrankungen nicht vorhanden sind. Dazu gehören beispielsweise Allergien, Epilepsie, Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine gestörte Blutgerinnung.

Während der meist 80 bis 120 Minuten dauernden Apherese liegt der Kranke entspannt und in Rückenlage auf einer Liege. Neben ihm befindet sich der Apherese-Apparat. In zwei Armvenen wird jeweils eine Kanüle gelegt. Über die eine wird das Blut durch ein steriles Einmalschlauch-System in das Blutwäsche-Gerät geleitet. Darin wird es mit Blutgerinnungshemmer angereichert, zentrifugiert oder filtriert und anschließend als sauberes Blut über die andere Schlauchleitung und die andere Vene zurück in den Körper geführt.

Das gerinnungshemmende Medikament wird meist unproblematisch von der Leber abgebaut. Wird eine Stammzellen Apherese vorgenommen, müssen die Stammzellen zuerst hormonell aktiviert werden. Dadurch gelangen sie über das Rückenmark in den Blutkreislauf. Bei der Blutplasma-Aufbereitung gibt es zwei Verfahren (mit und ohne vorherige Entfernung von Blutkörperchen und Blutplättchen).



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer trägt die Kosten?

Da die Apherese - wenn sie dauerhaft medizinisch indiziert ist - ziemlich teuer ist, sollte sich der Patient schon zuvor mit dem behandelnden Mediziner in Kontakt setzen und versuchen herauszufinden, wer für ihre Kosten aufkommt.

Die Dialyse wird komplett von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dasselbe gilt für die Lipid Apherese, wenn der Patient ein entsprechendes Gutachten von einem Kardiologen und einem Lipidologen seiner gesetzlichen Krankenkasse vorlegen kann.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Die Apherese wird von den meisten Patienten gut vertragen. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einer vasovagalen Reaktion kommen: Die Blutgefäß-Muskeln entspannen sich und lassen den Blutdruck stark abfallen und den Puls verlangsamen. Dann kann es zu Benommenheit, Blässe, unregelmäßiger Atmung und eventuell sogar Übelkeit kommen.

Der Citrat-Gerinnungshemmer wird meist gut im Körper abgebaut. Ist das einmal nicht der Fall, äußert sich das mit Kribbeln in Zehen und Fingerspitzen und Frösteln. Nach der Einnahme von Kalzium ist die Unterversorgung schnell behoben.

Bei der Hämodialyse kommt es im Laufe der Jahre zu immer stärkeren Nebenwirkungen. Außerdem muss der Patient eine spezielle Nierendiät einhalten, die die Behandlung unterstützen soll. Da die Dialyse auch Vitamine aus dem Blut entfernt, sollte der Kranke sie sich in der entsprechenden Menge und Dosierung wieder zuführen. Der dafür gelegte Shunt kann sich infizieren oder die dahinter befindliche Körperregion wird nicht mehr ausreichend durchblutet.

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