Antidepressiva (Psychopharmaka)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 25. Mai 2016
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Depressionen bedeuten einen Einschnitt in das Wohlbefinden und das Sozialleben des Betroffenen. Patienten leiden oftmals unter dem Zustand. Deswegen kommen Antidepressiva zum Einsatz. Diese versuchen die entstandenen Beschwerden zu mildern.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antidepressiva?

Bei Antidepressiva handelt es sich um Tabletten mit verschiedenen Wirkstoffen zur Behandlung von Depressionen. Eine Depression kommt durch ein neuronales Ungleichgewicht zustande, welches die Tabletten korrigieren. Weil die Tabletten auch schwere Nebenwirkungen haben können, wird der Einsatz mit dem behandelndem Arzt abgewogen. In der Regel verschwinden die begleitenden Symptome jedoch nach einigen Wochen, sodass sich die positive Wirkung der Antidepressiva einstellt. Diese ermöglicht Betroffenen die Teilhabe am sozialen Leben. Antidepressiva lösen die bestehenden Probleme nicht. Allerdings unterstützen Antidepressiva den Patienten, seine Probleme anzugehen.

Wirkung und medizinische Anwendung

Ausschlaggebend für die Wirkung von Antidepressiva ist das menschliche neuronale System. Bei diesen handelt es sich um Milliarden von Nervenzellen. Zwischen dem Gehirn und den einzelnen Nervenzellen findet fortlaufend eine rege Kommunikation statt. Darüber hinaus sind die Nervenzellen über Synapsen miteinander verbunden. Durch die Synapsen wird die Übertragung von Signalen zwischen den Nervenzellen ermöglicht. Dafür kommen Überträgersubstanzen zum Einsatz, so genannte Neurotransmitter.

Gesunde Menschen weisen ein Gleichgewicht von Neurotransmittern auf. Bei Depressionen lässt sich hingegen feststellen, dass die Balance bei Betroffenen verändert ist. Antidepressiva versuchen das fehlende Gleichgewicht wiederherzustellen. Dafür kommen verschiedene Mechanismen infrage, wie die Steigerung der Ausschüttung des Transmitters. Neurotransmitter werden durch Enzyme abgebaut.

Antidepressiva können diesen Abbau hemmen. Bei der Hemmung der Wiederaufnahme wird der Transmitter zurück zum Neuron transportiert nachdem er seine Aufgabe absolviert hat. Verwendet werden Antidepressiva bei Menschen mit schwereren Depressionen. Zur Einschätzung findet zuvor ein Gespräch statt, in dem ein Therapieplan mit dem möglichen Einsatz von Antidepressiva erarbeitet wird.

Formen und Gruppen

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer als Antidepressiva führen dazu, dass der Transmitter Serotonin zurück ins Neuron befördert wird. Auf andere Überträgersubstanzen wirkt das Medikament nicht. SSRI zeichnen sich in der Regel durch ihre gute Verträglichkeit aus, wodurch sie in Deutschland verbreitet sind. Zum Einsatz kommen sie bei leichten bis mittelschweren Depressionen und Zwangsstörungen. SSRI ist unter anderem unter den Namen Zoloft® und Seroxat® erwerblich.

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer sorgen dafür, dass Noradrenalin und Serotonin zurücktransportiert werden. Patienten profitieren von ihrer stimmungsaufhellenden und antriebssteigernden Wirkung. Handelsnamen lauten Cymbalta® Lilly oder Trevilor ret.®. Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkungen und Handelsnamen. Dazu gehören zum Beispiel Cipramil®, Seroxat®, Aponal® oder Thombran®. Welches der Antidepressiva infrage kommt, wird mit dem behandelnden Arzt abgesprochen.

Dosierung

Bei allen Medikamenten ist die Dosierung wichtig. Diese wird auch bei Antidepressiva auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Deswegen ist eine Verallgemeinerung der jeweiligen Dosierung schlecht zu beschreiben. Es ist allerdings üblich, die tägliche Menge nur langsam zu steigern. Auf diese Weise kann sich der Körper an das Präparat gewöhnen und der Betroffene leidet nicht sofort unter schweren Nebenwirkungen. Weil jeder Patient anders auf das Medikament reagiert, ist die langsame Anpassung sehr wichtig.

Insbesondere junge und alte Menschen weisen in der Regel eine erhöhte Empfindlichkeit Antidepressiva gegenüber auf. Dementsprechend benötigen Patienten dieser Altersgruppe eine niedrige Dosis, wodurch sich die Behandlung in die Länge zieht. Insgesamt werden aktive Antidepressiva nur vormittags oder spätestens am Mittag genommen werden. Ansonsten kann es zu Schlafstörungen kommen. Bei dämpfenden Antidepressiva hingegen ist die abendliche Einnahme üblich.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Depressionen sind eine schwere Erkrankung, die einen hohen Leidensdruck auf Betroffene ausüben. Deswegen sollten alle Patienten zum Arzt gehen und nicht selbstständig mit Medikamenten und natürlichen Substanzen experimentieren. Nach einer medizinischen Rücksprache sind jedoch auch andere Alternativen zu Antidepressiva möglich. Dazu gehört zum Beispiel Johanniskraut als natürliches Präparat.

Zur Einstellung der Wirkung muss es über mehrere Wochen hinweg eingenommen werden. Johanniskraut lindert Angstzustände und ist beruhigend. Ginseng wirkt stimmungsaufhellend und verbessert die geistige Leistungsfähigkeit. Neben pflanzlichen Medikamenten hilft die Veränderung des Lebensstils gegen Depressionen. Ein elementarer Bestandteil ist die regelmäßige Bewegung. Sport baut Stress ab und schüttet Glückshormone aus.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind bei Antidepressiva nicht unüblich. Im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten verschwinden sie häufig jedoch nach einigen Wochen, sodass sich die positiven Effekte bemerkbar machen. Auch deswegen ist es wichtig, dass die Tabletten trotz bestehender Symptome eingenommen werden. Antidepressiva haben keine Auswirkung auf die Persönlichkeit des Betroffenen. Darüber hinaus können sie nicht süchtig machen. Das Absetzen der Tabletten sollte niemals eigenständig erfolgen. Auch dann nicht, wenn die Anzeichen der Depressionen nicht mehr vorhanden zu sein scheinen. Ansonsten drohen Rückfälle in einen depressiven Zustand.

Moderne Medikamente können von Übelkeit und Brechreiz begleitet werden, der sich vor allem zum Therapiebeginn bemerkbar macht. Darüber hinaus kommt es unter Umständen zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen und sexuellen Funktionsstörungen. Patienten berichten von Unruhe und vermehrtem Schwitzen. Bei Antidepressiva, die einen Einfluss auf das Serotonin-System haben, entstehen Verdauungsstörungen und Müdigkeit.

Bis die Wirkung des Antidepressivas eintritt, vergehen mindestens 10 bis 20 Tage. Manchmal dauert es noch länger, bis positive Effekte überwiegen. Einige der Erscheinungen erinnern vielmehr an die Symptome der Depression. Zustande kommt ein solches Phänomen vermutlich durch einen vorübergehenden Mangel an Neurotransmittern. In dieser Zeit ist das Vertrauen des Patienten in seinen Arzt besonders wichtig. Nur wenn die Medikamente weiterhin eingenommen werden, kann das Antidepressivum seine eigentliche Wirkung entfalten.

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