Antiarrhythmika

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. Mai 2016
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Bei Antiarrhythmika handelt es sich um ein pharmazeutisches Präparat zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Sie werden angewendet, um Arrhythmien zu beheben, die Dynamik des Herzens zu verbessern und dadurch auch die Durchblutung positiv zu beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antiarrhythmika?

Der Begriff Antiarrhythmika ist ein Oberbegriff für viele Präparate verschiedener Wirkstoffklassen. Es werden Präparate mit der Wirkung auf das zentrale Nervensystem und auf die verschiedenen Rezeptoren am Herzen unterschieden.

Die Präparate der Antiarrhythmika sind so konzipiert, dass sie auf die Rezeptoren der Herznerven und auf den Mineralstoffhaushalt der Herzmuskel- und Herznervenzellen Einfluss nehmen. Bei der Wirkung auf die Rezeptoren wird das Nervensystem des Herzens beeinflusst. Dies ist zuständig für die Erregung und somit für die Vorgabe des rhythmischen Herzschlags. Dabei ist es wichtig, dass die Funktionen zwischen den Herzvorhöfen und der Herzkammer aufeinander abgestimmt sind.

Die Erregung wird von dem Sinusknoten zum AV-Knoten weitergeleitet. Der AV-Knoten leitet die Reize anschließend in untergeordnete Gebiete des Herzens. Der Sinusknoten bildet hierbei den physiologischen Herzschrittmacher und gibt die Frequenz des Herzschlags vor. An allen Nervenzellen, die für die Herzsteuerung verantwortlich sind sitzen Rezeptoren. Diese Rezeptoren dienen als Bindungsstellen des vegetativen Nervensystems. An diese Bindungsstellen haften sich Botenstoffe, um die Herzaktion zu steuern (Angst = Herzschlag erhöht sich, Entspannung = Herzschlag vermindert).

Das vegetative Nervensystem kann nicht bewusst von uns beeinflusst werden, da es unbewusst von verschiedenen Hirnregionen gesteuert und reguliert wird. Die Hauptaufgabe des unterbewussten Nervensystems ist das Koordinieren und Regulieren von Körper- und Organfunktionen durch zwei Hauptnervenstränge. Die Nervenstränge werden auch als Sympathikus und Parasympathikus bezeichnet und sind in ihrer Funktion Gegenspieler.

Der Sympathikus ist im wachen Zustand für Aktivität zuständig und agiert auch in Stresssituationen. Um den Nervenstrang zu aktivieren, koppeln sich die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin an die Rezeptoren. Dadurch wird die Leistung erhöht und Energiereserven bereitgestellt. Während der Aktivität werden die Frequenz des Herzschlags und somit auch der Blutdruck erhöht. Der Parasympathikus arbeitet als Gegenspieler zum Sympathikus und ist somit für die Ruhe, Erholung und Nahrungsaufnahme verantwortlich.

Wirkung und medizinische Anwendung

Die Rezeptoren des Parasympathikus befinden sich an der tiefliegenden Muskulatur der inneren Organe. Diese werden durch den Botenstoff Acetylcholin stimuliert und aktivieren beispielsweise die Verdauung. Während der Aktivität des Parasympathikus verringert sich die Frequenz des Herzschlags und somit auch der Blutdruck. Neben der Wirkung auf die Rezeptoren, beeinflussen Antiarrhythmika auch den Mineralstoffhaushalt. Die Herzmuskelzellen benötigen eine gezielte Menge an Mineralstoffen, um die Reize der Nerven und deren korrekte Verarbeitung durchzuführen. Zu den wichtigen Mineralien zählen beispielsweise Natrium und Kalium. Fällt der Mineralstoffspiegel ab, verringert sich auch die Herzfrequenz. Bei erhöhter Konzentration, beschleunigt sich der Herzschlag.

Formen und Gruppen

Das pharmazeutisch erzeugte Antiarrythmika wird in verschiedene Wirkstoffklassen unterteilt. Ausschlaggebend für die Auswahl, ist die Ursache der Erkrankung, die eigentliche Erkrankung und die individuelle Anamnese des Patienten.

Blockiert den Natriumzufluss in die Herzmuskelzellen und stabilisiert die Zellwände (Zellmembran). Dadurch werden die Membranen auf eintreffende Reize desensibilisiert.

Wirken an Rezeptoren, an die sich Stresshormone binden. Durch die Einnahme von Betablocker wird die Signalweiterleitung der Stresshormone an den Rezeptoren blockiert. Die Antiarrhythmika der II-Wirkstoffklasse gelten als Basistherapie und werden aufgrund guter Verträglichkeit häufig verordnet.

Blockiert das Einströmen von Kalium in die Herzmuskelzellen. Durch die Blockade wir das Aktionspotential des Herzens verlängert und die Frequenz des Herzschlags reduziert. Zudem wird das Herz auf Reize desensibilisiert.

Blockiert den Zufluss von Kalium am Sinusknoten und dem AV-Knoten. Dadurch entsteht eine schnellere Reizweiterleitung und die Herzfrequenz wird reduziert.

Dosierung

Der Patient sollte von dem behandelnden Facharzt anhand des individuellen Befundes und der Anamnese auf ein Antiarrhythmika eingestellt werden. Bei Antiarrhythmika handelt es sich nicht um ein sogenanntes 'Bedarfsmedikament'. Der Patient wird auf eine Dosis eingestellt und muss diese täglich zu sich nehmen. Ziel der Einstellung ist, den genauen Wirkungsbereich der pharmakologische Substanz auf die vorliegende Erkrankung abzustimmen.

Sind die Antiarrhythmika gut dosiert, kann eine kontinuierliche Einnahme lebensverlängernd sein. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Verordnung eines Antiarrhythmika das letzte Glied in der Behandlungskette ist. Die Therapie sollte begonnen werden, in dem die Ursache für die Arrhythmien gefunden und nach Möglichkeit behoben wird. Dies kann beispielsweise Stressabbau oder eine Veränderung der Lebensumstände sein. Muss jedoch auf ein Antiarrythmika zurückgegriffen werden, erfordert dies eine lückenlose Kontrolle des Elektrolythaushalts und eine regelmäßige Durchführung eines EKGs zur Überwachung des Therapieerfolgs.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Durch pflanzliche Ergänzungsstoffe und eine gesunde Ernährung kann durchaus Einfluss auf die Reizweiterleitung, Nerven, Muskeln und besonders auf den Mineralstoffhaushalt genommen werden. Treten Unregelmäßigkeiten in der Funktion der Herzfrequenz auf, kann dies ein Hinweis auf Kalium- oder Magnesiummangel sein. Welche Mineralstoffe fehlen oder zu hoch konzentriert sind, können durch ein Blutbild bestimmt werden. Die fehlenden Mineralstoffe können durch Ergänzungsmittel zugeführt werden.

Studien haben belegt, dass auch Omega-3-Fettsäuren und L-Carnitin positive auf die Herzfunktion wirken. Die Omega-3-Fettsäuren wirken positiv auf die Reizweiterleitung der Nervenzellen. L-Carnitin stärkt das Herz und fördert die Energieversorgung. Langzeitstudien haben belegt, dass eine kombinierte Therapie aus diesen drei Nahrungsergänzungen und Stressabbau bessere Erfolge zeigen, als herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten. Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass sich die Wirkungsweise von Besenginsterkraut, Campher, Meerzwiebel und Maiglöckchenkraut bei Arrhythmien bewährt.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Antiarrythmika gestalten sich unterschiedlich, je nach Präparat und dessen Wirkweise. Grundlegend der chemischen Struktur und der Substanzklassen kann es jedoch im Allgemeinen zu typischen Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Funktionsstörung der Reizweiterleitung am Herzen, abgeschwächte Herzleistung oder verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) kommen. Bei allen Antiarrhythmika können auch verstärkte Arrhythmien auftreten, weshalb der Patient nur von einem Facharzt auf ein solches Präparat und unter lückenloser Kontrolle eingestellt werden sollte.

Durch die Beeinflussung des vegetativen Nervensystems können außerdem Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Erregung, Unruhe oder sogar Krämpfe auftreten. Als absolute Kontraindikation für Antiarrhythmika zählt die Erkrankung an Asthma bronchiale. Des Weiteren sollte das Medikament bei einer gestörten Erregungsweiterleitung im Herzen nur in Ausnahmefällen verabreicht werden.

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