Anlaufschmerz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
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Unter dem Begriff Anlaufschmerz wird in der Medizin ein bestimmter Gelenkschmerz verstanden. Typisch ist das Auftreten des Anlaufschmerzes beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett, beim Loslaufen und nach längerem Sitzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Anlaufschmerz?

Der Anlaufschmerz ist definiert als eine Schmerzform, welche am Anfang von Bewegungsabläufen auftreten kann. In der Orthopädie handelt es sich beim Anlaufschmerz um ein sogenanntes Leitsymptom, welches gewisse diagnostische Rückschlüsse zulässt.

Jede degenerative Gelenkerkrankung kann zum Anlaufschmerz führen. Die Betroffenen kennen dieses individuelle Schmerzbild meist sehr genau und können dem Arzt genau schildern, in welcher Situation oder bei welchen Bewegungsabläufen ein Anlaufschmerz auftritt.

Häufig liegt dem Anlaufschmerz ein nachweisbares pathologisches Geschehen im Sinne einer Arthrose oder Arthritis zugrunde. Der Anlaufschmerz wird als spezieller Gelenkschmerz auch als Loslaufschmerz bezeichnet. Denn der typische Schmerzcharakter beinhaltet, dass sich die Beschwerden bei den meisten Patienten im weiteren Verlauf einer körperlichen Aktivität wieder bessern. Nicht selten verschwindet der Anlaufschmerz auch völlig, um dann am Folgetag wieder in unverminderter Härte aufzutreten.

Ursachen

Obwohl dem Loslaufschmerz als pathologisches Substrat stets eine arthrotische Gelenkveränderung zugrunde liegt, ist der genaue Mechanismus seiner Entstehung bis heute ungeklärt. Vor allem das von den meisten Patienten geschilderte Verschwinden des Schmerzes bei körperlicher Aktivität kann noch nicht erklärt werden.

Als feststehende Ursache für jede Form des Anlaufschmerzes gilt der Gelenkverschleiß, die Arthrose. Der Abnutzung, also Degeneration des Gelenkknorpels liegt eine dauerhafte Überlastung zugrunde. Die Arthrose kann aber auch Ausdruck angeborener Fehlstellungen sein. Überwiegend tritt der Loslaufschmerz aber bei älteren Menschen auf. Hier zeigt sich der Anlaufschmerz meist in Form einer Arthrose der Hüft- oder Kniegelenke.

Weil Menschen heute im Durchschnitt viel älter werden, als noch vor 100 Jahren, nehmen auch altersbedingte degenerative Erkrankungen und damit auch der Anlaufschmerz zu. Ursache einer Arthrose und des damit verbundenen Anlaufschmerzes kann aber auch der Leistungssport sein. Schon nach wenigen Marathonläufen auf hartem Asphalt können sich schwere Knorpelschädigungen noch Jahre später als Anlaufschmerz bemerkbar machen. Der Anlaufschmerz wird als Leitsymptom einer Arthose zu den rheumatischen Krankheitsbildern gezählt.

Krankheiten mit Anlaufschmerz

Diagnose und Verlauf

Die Verdachtsdiagnose eines Anlaufschmerzes kann in der Arztpraxis oft schon anhand der recht eindeutigen Symptomschilderung eines Patienten erfolgen. Zur weiteren diagnostischen Abklärung dienen bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT, außerdem Gelenkspiegelungen. Da es sich bei jeder Form der Arthrose um eine stetig fortschreitende Krankheit handelt, nimmt auch das Leitsymptom des Loslaufschmerzes immer weiter an Intensität und Zeitdauer zu.

Von Anlaufschmerz betroffene Gelenke.

Bei entsprechender Gelenk- und Knorpelschädigung verläuft der Anlaufschmerz also chronisch-progredient. Am Krankheitsbeginn ist der Anlaufschmerz aber durchaus auch ein Frühsymptom, das von den Patienten oft weiter gar nicht beachtet wird, weil es schon Sekunden nach seinem Auftreten wieder vollständig verschwinden kann. Es wird angenommen, dass im Gelenk sich verteilende Gelenkschmiere anfangs schmerzende Knorpelschäden bei weiterer Bewegung noch abdämpfen kann. Schon in der nächsten Pause kann das Gelenk dann aber schon wieder wehtun. Mit der Zeit kann ein Loslaufschmerz auch durch muskuläre Verkrampfungen in einen Dauerschmerz übergehen. Erst an diesem Punkt suchen dann die meisten Patienten einen Arzt auf.

Behandlung

Die Behandlung des Anlaufschmerzes richtet sich zunächst nach der zugrunde liegenden Ursache, nämlich der Arthose, der aktivierten Arthrose oder der Arthritis. Je nach Ausprägungsgrad und Schmerzcharakter ist in vielen Fällen auch eine Schmerztherapie zur Linderung des Anlaufschmerzes erforderlich. Jede Therapie zielt ab auf Gelenkentlastung sowie eine Stärkung der Gelenkstabilität und der umgebenden Muskulatur.

Es muss therapeutisch alles versucht werden, um dem Prozess des weiter voranschreitenden Gelenkverschleißes entgegenzuwirken. Neben dem Abbau von Übergewicht haben sich Kältetherapien, Physiotherapie und Massagen bewährt. Inaktivität hat sich bei jeder Form der Arthose als nicht zielführend im Sinne einer Schmerzlinderung herausgestellt.

Vielmehr ist jede Form der sanften Bewegung zu empfehlen, es sollten allerdings Sportarten ohne Stoßbelastung, wie beispielsweise Schwimmen oder Radfahren, gewählt werden. Gehstöcke oder Schuheinlagen haben als orthopädische Hilfsmittel ebenfalls das Potenzial, die Beschwerden eines Anlaufschmerzes deutlich abzumildern.

Ohne die Mitarbeit des Patienten geht es jedoch nicht, schlussendlich muss dieser im Laufe der Zeit selbst herausarbeiten, welche therapeutische Maßnahmen gegen den Anlaufschmerz am besten helfen.

In der Schmerztherapie werden zur Linderung der Schmerzen oft sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika, vor allem die Wirkstoffe Etoricoxib und Ibuprofen, verordnet.

Bei Dauergebrauch können allerdings schwere Nebenwirkungen durch die Schädigung der Magenschleimhaut auftreten. Intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure konnten in vielen Fällen der Kniegelenksarthose einen Anlaufschmerz ebenfalls mildern. Am Ende aller konservativ-therapeutischen Bemühungen kann auch der Gelenkersatz als operativer Eingriff stehen.

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Vorbeugung

Schon im Säuglingsalter können mit einem Hüftultraschall angeborene Fehlstellungen aufgedeckt werden. Auch bei Heranwachsenden sollte darauf geachtet werden, dass sich keine Fehlstellungen, beispielsweise als X- oder O-Beine, einschleichen. Einseitige und eintönige Gelenkbelastungen gilt es auch im Leistungssport zu vermeiden. Ansonsten könnten die Gelenke dauerhaft und irreversibel geschädigt werden. Als gelenkschonende Sportarten eignen sich Radfahren, Schwimmen oder Joggen auf Moor- und Waldwegen statt auf Asphalt.

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