Akutes Koronarsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2015
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Als Akutes Koronarsyndrom – kurz auch ACS – werden verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammengefasst, die insbesondere notfallmedizinisch als Arbeitsdiagnose dienen: Es handelt sich um anhaltende und lebensbedrohliche Herzdurchblutungsstörungen, die in einer instabilen Angina pectoris und einem akuten Herzinfarkt zum Ausdruck kommen. Unbehandelt ist vielfach der plötzliche Herztod die Folge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das akute Koronarsyndrom?

Unter dem Krankheitsbild Akutes Koronarsyndrom werden – abgesehen vom plötzlichen Herztod – drei Erkrankungen zusammengefasst. Diese lassen sich notfallmedizinisch allein aufgrund ihrer Symptomatik (u.a. akut einsetzender, anhaltender, starker Thoraxschmerz, der in den linken Arm, in den Hals oder den Bauchraum ausstrahlen kann, oft verbunden mit Luftnot, Übelkeit, Angstgefühl, Schwindel etc.) oftmals nicht eindeutig unterscheiden: Dazu gehören:

  • die sogenannte instabile Angina pectoris (labordiagnostisch ohne Anstieg des Troponin T oder I),
  • der sog. Nicht-ST-Hebungsinfarkt (kurz: NSTEMI): keine ST-Hebungen, nicht-transmuraler Infarkt, Anstieg des Troponin T/I, und
  • der transmurale Infarkt (kurz: STEMI), ST-Hebungen in der ersten Zeit des Infarktes sowie ein Anstieg von Troponin T/I.

Ursachen

Zu den Ursachen des Akuten Koronarsyndroms zählt insbesondere die Arteriosklerose, bei der sich instabile Plaques an den Innenwänden der (Herzkranz-)Gefäße bilden. Wenn sich diese ablösen („Plaqueruptur“ oder „Plaqueerosion“), kann es zum teilweisen oder vollständigen Verschluss lebenswichtiger herzversorgender Gefäße kommen. Die akute Symptomatik beim Akuten Koronarsyndrom resultiert somit aus einer kritischen Verringerung des Blutflusses aufgrund dieses lokalen Verschlusses (Thrombus).

Während dieser Thrombus beim „STEMI“ zu einem vollständigen Gefäßverschluss führt, ist bei einer instabilen Angina pectoris oder dem „NSTEMI“ noch ein gewisser Blutfluss vorhanden. Die Ursachen eines akuten Koronarsyndroms sind also schwere Durchblutungsstörungen aufgrund physiologischer Reparaturmechanismen und Blutgerinnselbildungen, wenn bei einer Plaqueruptur die Herzkranzgefäßinnenhaut einreißt und abgedichtet wird.

Die Gefäßverstopfung sowie daraus resultierende Minderdurchblutung des dahinterliegenden Versorgungsraumes der betroffenen Herzkranzarterie ist der Grund, warum Teile des Herzmuskels absterben und irreparabel funktionsunfähig werden. Je nach Ausmaß und Dauer des Sauerstoffmangels im Herzmuskelgewebe ist ein akutes Koronarsyndrom die lebensbedrohliche Folge.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des akuten Koronarsyndroms:

Die Symptomatik beim Akuten Koronarsyndrom setzt stets plötzlich ein, in Form von bisher nicht üblichen und anhaltenden Angina-pectoris-Beschwerden, d.h. starken, stechenden oder brennenden Schmerzen im Brustbereich und möglicherweise auch in andere Bereiche ausstrahlend. Es handelt sich beim Akuten Koronarsyndrom um keine abschließende Diagnose, allerdings wird damit bereits klar, dass es sich um einen potentiell lebensbedrohlichen Verlauf handeln kann.

Eine instabile Angina pectoris im Rahmen eines Akutes Koronarsyndroms kann sich zu einer stabilen, nicht lebensbedrohlichen Koronaren Herzkrankheit (KHK) zurückentwickeln, aber auch in einen akuten und mit möglicherweise lebensbedrohlichen Komplikationen verbundenen Herzinfarkt sowie langfristig in eine Herzinsuffizienz übergehen. Symptome beim Akuten Koronarsyndrom:

  • Mehr als 5 Minuten dauernde, starke (brennende, dumpfe oder stechende) Schmerzen im Bereich des Brustkorbs, nicht punktgenau lokalisierbar und möglicherweise in Arme, Schulter, Rücken, Oberbauch, Hals und Kiefer ausstrahlend;
  • ein den Brustkorb zusammenpressendes Druckgefühl, in Verbindung mit einschnürender Atemnot;
  • vegetative Symptome, wie Übelkeit, Schwächegefühl, Erbrechen, Schweißausbrüche sowie eine sonderbare, fahle Hautfarbe;
  • Vernichtungsgefühl, Todesangst bis hin zu akuter Verwirrtheit;
  • keine Besserung der Symptome durch Ruhe oder die Gabe von Nitraten;

Erst an weiterführenden labordiagnostischen Untersuchungen und den typischen Veränderungen im EKG kann der Arzt eine instabile Angina pectoris von einem Herzinfarkt abgrenzen. Wenn im Blut Troponin oder CK-MB nachweisbar sind (Substanzen aus dem Herzmuskelzelleninneren), so lässt sich auf zugrundegegangenes Herzmuskelgewebe sowie das Ausmaß der Schädigungen schließen. Zur Diagnosesicherung ist bei einem Akuten Koronarsyndrom auf jeden Fall eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus notwendig. Die Blutuntersuchungen und ein Ruhe-EKG innerhalb der folgenden Stunden können Klarheit über die Art der Koronarerkrankung geben.

Behandlung und Therapie

Therapeutisch ist insbesondere schnelles Handeln gefragt, da bei einem Akuten Koronarsyndrom jede Minute über Leben und Tod entscheiden kann. Bei Auftreten der genannten Symptome muss unverzüglich der Notarzt gerufen werden. Erste-Hilfe-Maßnahmen bestehen im Hochlagern, frischer Luft und dem Freimachen von eng sitzender Kleidung. Auch die Gabe von ein bis zwei 1000 mg - Tabletten Acetylsalicylsäure (z.B. ASS® oder Aspirin®) kann dazu beitragen, dass das Absterben von Herzmuskelgewebe verringert wird (außer wenn Acetylsalicylsäure bereits eingenommen wird oder Magengeschwüre oder -probleme vorliegen!). Der Notarzt wird dann zunächst Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreichen sowie gerinnungshemmende Mittel, gegebenenfalls auch Sauerstoff. Wenn durch EKG-Untersuchungen und Blutwerte ein Herzinfarkt diagnostiziert wird, erfolgt in der Regel eine Herzkatheteruntersuchung, um eine sogenannte interventionelle Therapie oder notfallmäßig auch eine Bypass-Operation durchzuführen.

Im Rahmen der interventionellen Therapie wird durch die Fibrinolyse die Gerinnungseigenschaft des Blutes medikamentös so beeinflusst, dass sich thrombotisch verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße in etwa 2/3 der Fälle wieder öffnen. Je früher diese Therapiemaßnahmen beginnen (idealerweise innerhalb der ersten sechs Stunden!), umso erfolgreicher sind auch die Behandlungsprognosen, nicht nur was die Lysetherapie betrifft. Allerdings kann nicht bei jedem Patienten diese starke Beeinflussung der Gerinnung durchgeführt werden, da auch unbeabsichtigte und gefährliche Blutungen (z.B. im Gehirn, Magen etc.) auftreten und ein hohes Risiko für den Patienten darstellen können.

Dagegen ist die mechanische Aufdehnung der betroffenen, verengten Herzkrangefäße eine standardmäßige Therapieoption, die bei fast allen Patienten mit einer schweren koronaren Herzkrankheit durchgeführt werden kann; dieses Verfahren ist in ca. 90% erfolgreich und kann sogar noch Tage nach einem Herzinfarkt vorhandene Engstellen behandeln und damit die Erfolgsaussichten deutlich erhöhen. Langfristig gehören Rehabilitationsmaßnahmen, angepasste Bewegungstherapien sowie eine dauerhafte Umstellung der Lebensgewohnheiten zur Therapie nach einem Akuten Koronarsyndrom.

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Vorbeugung

Was die Prävention betrifft, so kann man durch den persönlichen Lebensstil sehr viel dazu beitragen, dem Akuten Koronarsyndrom bzw. insbesondere einem Herzinfarkt vorzubeugen. Ein Akutes Koronarsyndrom entwickelt sich nicht von heute auf morgen, sondern stellt eine langfristige Entwicklung dar, die durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt wird.

Wer effektiv einer Arteriosklerose und den daraus resultierenden Erkrankungen vorbeugen möchte, der sollte auf folgende negative Faktoren weitgehend verzichten: Stress, Übergewicht, Rauchen, einseitige und zuckerreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte sowie chronisch erhöhte Blutzuckerwerte zählen zu den beeinflussbaren Risikofaktoren, die ein Akutes Koronarsyndrom im Speziellen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Allgemeinen begünstigen können.

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