Aktinomykose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Juni 2017
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Bei einer Aktinomykose handelt es sich um eine endogene bakterielle Mischinfektion unter maßgeblicher Beteiligung von Aktinomyzeten, welche ursprünglich als Pilze angesehen wurden. Die Aktinomyzeten gehören zu den normalen Bakterienkulturen im Mundbereich. Über kleine Verletzungen können sie jedoch in jeden Bereich des Körpers eindringen und in Ausnahmefällen eitrige Infektionsprozesse hervorrufen. Die Erkrankung ist sehr selten. Ihre Behandlung erstreckt sich häufig über mehrere Wochen bis Monate.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Aktinomykose?

Die Aktinomykose stellt eine nicht ansteckende endogene Infektion mit Aktinomyzeten dar. Für die Auslösung der Erkrankung ist neben den Aktinomyzeten immer auch das Vorhandensein anderer aerober und anaerober Keime erforderlich, sodass von einer Mischinfektion gesprochen werden kann. Wie der Name Aktinomykose bereits andeutet, wurde früher davon ausgegangen, dass es sich um eine Pilzerkrankung handelt. Die Aktinomyzeten, auch als Strahlenpilz bezeichnet, sind durch strahlenförmige filamentöse Verzweigungen gekennzeichnet, die an Pilzkulturen erinnern. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um Bakterien, die sich nur sehr langsam entwickeln. Deshalb gehört die Aktinomykose nach heutigen Erkenntnissen zu den Pseudomykosen.

In den meisten Fällen fungiert das Bakterium Actinomyces israelii als Krankheitserreger. Auch andere Erreger wie Actinomyces naeslundii, Actinomyces viscosus, Actinomyces odontolyticus, Actinomyces meyeri oder Actinomyces pyogenes kann eine Rolle bei der Pathogenese spielen. Insgesamt kommen die Aktinomykosen sehr selten vor. Kinder und ältere Personen sind noch seltener betroffen. Es erkranken durchschnittlich dreimal mehr Männer als Frauen. Charakteristisch für die Aktinomykosen ist die Bildung von oft schwer behandelbaren Abszessen, die von Binde- oder Granulationsgewebe umgeben sind und daher zur Fistelbildung neigen. Am häufigsten tritt eine Aktinomykose am Gesicht, Hals und im Mundbereich auf. Aber auch das Zentralnervensystem, die Lunge oder der Darm kann betroffen sein.

Ursachen

  Die Ursache für die Aktinomykose ist eine endogene Mischinfektion mit Aktinozyten und anderen endogenen Keimen. Zu den anderen Keimen gehören unter anderem Staphylokokken, Streptokokken oder Escherichia coli. Die Aktinozyten sind allein nicht in der Lage, eine Infektion auszulösen, weil ihnen die entsprechenden Enzyme zum Aufschluss der Zellen fehlen. Sie leben und vermehren sich in sauerstoffarmen Regionen. In den meisten Fällen beginnt die Infektion im Mundbereich. Neben anderen Aktinomyzeten befindet sich dort zu über 90 Prozent Actinomyces israelii.

Durch Verletzungen im Mundbereich, Parodontitis oder kariöse Zähne können die Aktinozyten zusammen mit anderen Keimen ins umliegende Gewebe gelangen und dort zu Abszessen mit Fistelbildung führen. Aber auch an anderen Stellen des Körpers gibt es Eintrittspforten für diese Keime. So gelangen sie über den Speichel in die Lunge, über Bisse in die Haut oder über den weiblichen Genitalbereich in den Darm. Durch Menschenbisse übertragene Abszesse werden durch Actinomyces meyeri hervorgerufen. Actinomyces viscosus führt zu Infektionen im weiblichen Urogenitaltrakt insbesondere nach dem Einbringen eines Intrauterinpessars und auch Actinomyces pyogenes kann für Infektionen im Urogenitaltrakt oder im Rachen verantwortlich sein.

Warum es überhaupt zu Infektionen mit den normalerweise nicht humanpathogenen Aktinomyzeten kommt, kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Allein eine Schwäche des Immunsystems dafür verantwortlich zu machen, ist zu einfach, zumal Kinder und Senioren nur sehr selten betroffen sind. Daher geht die Vermutung dahin, dass bei der Pathogenese häufig hormonelle Vorgänge eine große Rolle spielen. Selbstverständlich ist für immungeschwächte Personen das Risiko erhöht, an einer Aktinomykose zu erkranken.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Aktinomykose:

Aktinomykosen sind durch Abszessbildungen gekennzeichnet, die im betroffenen Gewebe zur Entstehung von Fisteln führen. Die von Binde- und Granulationsgewebe umgebenen Eiteransammlungen breiten sich im Gewebe immer weiter aus. Im Bereich des Gesichts sind brettharte Knoten typisch, die sich unter einer geröteten Haut befinden. Die Knoten können als eitrige Abszesse nach außen durchbrechen. Dadurch kommt es häufig zu Entstellungen des Gesichtes. Vergrößerte Lymphknoten werden in der Regel nicht beobachtet.

Allerdings können bei Ausweitung der entzündlichen Prozesse auch die Knochen angegriffen werden, wobei es zu Knochentumor ähnlichen Wucherungen kommt. Wenn Lunge oder Darm befallen sind, treten gegebenenfalls auch Schüttelfrost, Fieber und Gewichtsverlust auf. Bleibt die Infektion jedoch auf den Kopfbereich beschränkt, werden diese Symptome in der Regel nicht beobachtet. Am häufigsten kommt die zervikofaziale Aktinomykose vor, gefolgt von der thorakalen, der abdominalen und der kutanen Aktinomykose sowie diversen Sonderformen.

Die zervikofaziale Aktinomykose betrifft den Mund- und Kopfbereich. Bei der thorakalen Aktinomykose ist die Lunge erkrankt, während bei der abdominalen Form der Erkrankung der Darm beeinträchtigt ist. Die seltene kutane Aktinomykose wird meist durch Speichel auf die Haut übertragen. Zu den Sonderformen gehören unter anderem die Aktinomykosen von Leber oder Tränendrüsen.

Diagnose

Die Aktinozyten können in den sogenannten Drusen nachgewiesen werden. Drusen sind harte Körnchen im Eiter der Fisteln. Sie enthalten eine Anhäufung von mit Lymphozyten umgebenen Bakterien. Die Anzüchtung dieser Aktinozyten dauert jedoch einige Wochen, sodass zum Nachweis ihre DNA über eine Polymerase-Kettenreaktion bestimmt wird.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Aktinomykose zu schweren Infektionen im Körper. Diese können an unterschiedlichen Stellen auftreten und damit auch zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden führen. Dabei können Abszesse entstehen, wobei vor allem die Lunge und die Leber von der Abszessbildung betroffen sind. Nicht selten tritt auch ein starkes Fieber mit Schüttelfrost auf. Der Betroffene klagt dabei über ein allgemeines Krankheitsgefühl und fühlt sich nicht in der Lage, körperliche Arbeiten durchzuführen. Auch das Nervensystem wird durch die Aktinomykose beeinträchtigt, sodass es zu Wahrnehmungsstörungen kommen kann.

Eine Aktinomykose muss nicht zu Komplikationen führen, wenn sie richtig und frühzeitig behandelt wird. In den meisten Fällen tritt diese im Mundraum nach der entsprechenden Operation auf. Zur Vorbeugung der Aktinomykose werden dem Patienten Antibiotika verabreicht, wobei es zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Die Infektionen heilen ab und der Patient leidet nicht mehr an weiteren Beschwerden. Es kann im schlimmsten Falle zu einer Blutvergiftung kommen, wobei in der Regel eine Operation notwendig ist, um diese zu behandeln. Die Lebenserwartung wird durch die Aktinomykose nicht verringert.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Aktinomykose kann sehr langwierig sein. Wenn die Erkrankung noch im Anfangszustand ist, sind die Heilungschancen recht gut. Dann reicht eine Antibiotikatherapie häufig aus. Als Antibiotika werden hauptsächlich Tetrazykline oder Aminopenicillin verwendet. Oft wird der Beginn der Erkrankung dadurch festgestellt, dass etwa nach einer schwierigen Zahnbehandlung die entzündlichen Prozesse nicht aufhören und in einen eitrig-entzündlichen Prozess übergehen.

In schwierigen und fortgeschrittenen Fällen muss die Antibiotikabehandlung häufig mit einer chirurgischen Behandlung kombiniert werden. Dabei werden die Abszesse aufgeschnitten, vom Eiter befreit und zusätzlich Antibiotika verabreicht. Diese Behandlung kann Wochen bis Monate dauern. Es kann auch passieren, dass nicht alle Eiterherde erfasst werden. Dadurch kommt es häufig zu Rezidiven, die wiederum chirurgisch entfernt werden müssen. Manchmal ist auch die Abtragung ganzer befallener Hautpartien notwendig, um das anaerobe Wachstum der Bakterien zu verhindern. Nach der Abheilung entsteht sehr häufig narbiges Gewebe. Deshalb muss dann nach der kurativen Behandlung eine spätere Narbenkorrektur angeschlossen werden.



Vorbeugung

Die Aktinomykose ist eine endogene Infektion. Daher ist eine Vorbeugung nicht möglich. Allerdings kann das Risiko durch eine umfassende Zahnhygiene gesenkt werden. Außerdem werden regelmäßige Zahnarztbesuche empfohlen.

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