Akinetischer Mutismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Mai 2017
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Der akinetische Mutismus ist keine eigenständige Krankheit, sondern kann seine Ursprünge in verschiedenen Krankheitsursachen haben. Dieser Ratgeber erklärt in sechs Abschnitten wie der akinetische Mutismus definiert ist, seine Ursachen und Symptome sowie seine Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist es bei Anzeichen auf akinetischen Mutismus professionelle Hilfe in neurologisch spezialisierten Klinken hinzuziehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Akinetischer Mutismus?

Der akinetische Mutismus ist eine neurologische Krankheit. Mutismus beschreibt den Zusammenhang, dass der Patient aufgrund des fehlenden Antriebes nicht sprechen kann. Außerdem kann er sich nicht bewegen, was durch den Begriff Akinese dargestellt wird. Akinese stammt vom altgriechischen Wort „Kinesis“ für „Bewegung“, folglich bedeutet Akinese mangelnde Bewegung. Daraus resultiert die pathologische Bewusstlosigkeit der Herz- und Skelettmuskulatur. Der Patient kann zwar weder sprechen noch sich bewegen, ist aber dennoch bei Bewusstsein und nicht gelähmt. Dennoch kann er sich an die meisten Geschehnisse nicht erinnern.

Ursachen

  Akinetischer Mutismus resultiert meist aufgrund einer Verletzung des Gehirns. Dabei ist entweder das Frontalhirn oder der Gyrus cinguli betroffen. Der lateinische Begriff „Gyrus“ steht für Windung, der Begriff „cinguli“ für Gürtel oder Gürtelwindung. Der Gehirnteil des Gyrus cingulis gehört zum limbischen System. Das limbische System arbeitet für die Verarbeitung jeglicher Emotionen und ist der Entstehungsort von Trieben und gleichzeitig ihr Sender. Derartige Verletzungen am Gehirn sind meist Folge von Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Traumata, wie Gehirnerschütterungen nach einem Schlag oder Unfall am Kopf.

Zusätzlich kann akinetischer Mutismus durch Druck auf das Zwischenhirn entstehen, welcher oftmals von Tumoren verschiedener Art oder aufgrund eines Hydrocephalus ausgeübt wird. Hydrocephalus ist der lateinische Begriff für einen Wasserkopf. Auch spongiforme – schwammähnliche – Enzephalopathien werden als Ursache des akinetischen Mutismus gesehen. Enzephalopathien stellen verschiedene Verletzungen des Gehirns mit unterschiedlichen Ursachen und Formen dar. Meist wird von einer durchlöcherten Struktur des Gehirns aufgrund dieser spongiformen Enzephalopathien gesprochen. Hierbei ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ein häufig genanntes Beispiel für das Autreten spongiformer Enzephalopathien. Bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kommt es allerdings meist erst im späten Stadium zu akinetischem Mutismus.

Wann zum Arzt?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn es zu auffallenden und ungewöhnlichen Entwicklungsverzögerungen bei einem Kind kommt. Lernt es das Sprechen nicht oder finden Bewegungen im Vergleich zu Gleichaltrigen nicht statt, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Treten die Symptome plötzlich und unvermittelt auf, muss ebenfalls ein Arztbesuch erfolgen.

Kommt es bei einem Erwachsenen zu Veränderungen der Sprache oder Motorik, muss ein Arzt aufgesucht werden. Erkrankungen des Gehirns, ein Unfall oder eine Verletzung können Schäden bestimmter Hirnareale bewirken, die zu Verhaltensänderungen sowie kognitiven Einbußen führen. Sobald bei dem Betroffenen eine ungewöhnliche Wandlung der Persönlichkeit oder ein Verlust motorischer Fähigkeiten auftritt, muss ein Arzt kontaktiert werden. Können Bewegungen nicht mehr kontrolliert stattfinden oder flacht die gesamte Motorik sehr stark ab, besteht Grund zur Besorgnis.

Eine Emotionslosigkeit, mangelndes Interesse an den Geschehnissen der nahen Umgebung und eine starke Teilnahmslosigkeit müssen untersucht und diagnostiziert werden. Spricht der Betroffene nicht mehr, obwohl keine Heiserkeit oder Verletzung des Kehlkopfes vorhanden ist, muss unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Treten weitere Beschwerden auf, ist ein Arztbesuch notwendig. Hierzu können Bewusstseinsstörungen, Wissensverlust oder Probleme der Orientierung gehören. Fieber, Einschränkungen der Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit müssen ebenfalls von einem Arzt abgeklärt werden.

Symptome und Verlauf

Der akinetische Mutismus zieht zahlreiche Symptome mit sich, auch der Verlauf der Krankheit ist nicht pauschal zu bestimmen. Die offensichtlichen Symptome dieser neurologischen Krankheit sind die fehlende körperliche Bewegung und das Schweigen des Patienten. Die Akinese und der Mutismus ereignen sich hierbei nicht durch eine gestörte Wahrnehmung oder neuronale Unfähigkeit, sondern aufgrund der fehlenden Aussendung von Trieben durch das limbische System. Damit verbunden ist die resultierende Emotionslosigkeit der Patienten verbunden.

Sie wirken gelähmt zu sein, sind aber tatsächlich bei vollem Bewusstsein, ihnen mangelt es lediglich an Sprech- und Bewegungsantrieb. Diesen Zusammenhang bestätigten Gespräche des portugiesischen Neurowissenschaftlers António Rosa Damásio mit Betroffenen nach überstandenem akinetischem Mutismus. Die Betroffenen nahmen Geschehnisse wahr, konnten aber nicht interagieren. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Patienten lückenhafte Erinnerungen während ihrer Krankheit aufweisen. Bezüglich des Verlaufs der Krankheit gibt es keine verbindlichen Aussagen über den benötigten Zeitraum oder die benötigte Art der Heilung. Dies ist vielmehr von der Ursache der Krankheit abhängig. Eine vollständige Erholung ist dennoch möglich, sofern der Patient keine schweren Gehirnverletzungen davongetragen hat.

Diagnose

Um akinetischen Mutismus zu diagnostizieren, wird meist eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Hinzugezogen wird meist auch eine Entnahme von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, bei der das Hirnwasser auf entzündliche Ursachen untersucht wird. Eine Elektroenzephalographie (EEC) erfasst zudem elektrische Strömungen im Gehirn. Besonders bei akinetischem Mutismus müssen Differentialdiagnosen in Betracht gezogen werden, folglich Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Darunter fallen unter anderem das Locked-in-Syndrom und die Parasomnie, die besonders bei Kindern eine Störung des Erwachsens hervorruft. Nicht selten wird akinetischer Mutismus zudem mit Abulie (fehlender pathologischer Wille des Patienten) oder einer Katatonie, griechisch für Erschlaffung, verbunden.

Komplikationen

Je nachdem, welche Ursache dem akinetischen Mutismus zugrunde liegt, kommen verschiedene Behandlungen in Betracht. Diese Behandlungen können ebenfalls Komplikationen hervorrufen. Bei der operativen Entfernung eines Hirntumors besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass das umliegende Gehirngewebe beschädigt wird. In diesem Fall sind beispielsweise verschiedene neurologische Symptome möglich. Ihre Art hängt vom betroffenen Hirnareal ab. Auch wenn der Tumor erfolgreich entfernt werden kann und nur so viel Gewebe entfernt wird, wie notwendig ist, können neurologische Einschränkungen zurückbleiben. Bei einer Strahlen- oder Chemotherapie zur Behandlung eines Hirntumors kann es ebenfalls zu medizinischen Komplikationen kommen.

Häufige Nebenwirkungen einer Chemotherapie umfassen Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und Haarausfall. Auch Schleimhautentzündungen treten relativ oft auf. Seltener sind Allergien, neurologische Beschwerden und Herzschäden. Zum Teil erhalten Patienten weitere Medikamente, um die Verträglichkeit der Chemotherapie zu verbessern und die Symptome zu mildern. Hinzu kommen eventuelle psychische Komplikationen. Diese sind vor allem dann wahrscheinlich, wenn der Patient trotz akinetischem Mutismus bei Bewusstsein ist. Psychische Probleme können jedoch auch auftreten, wenn sich der Betroffene vom akinetischen Mutismus erholt. Abhängig vom allgemeinen Zustand des Patienten sowie von seiner sonstigen Lebenssituation sind beispielsweise Depressionen, Ängste, Traumatisierung, Stress und andere psychische Störungen und Symptome möglich.

Behandlung und Therapie

Die Art der Behandlung oder Therapie des akinetischen Mutismus ist in erster Linie von der Ursache der Erkrankung und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns abhängig. Nicht immer ist eine Heilung des akinetischen Mutismus möglich. Die Chancen einer effektiven Bekämpfung der Krankheit erhöhen sich allerdings, wenn potenziell Betroffene in Kliniken gebracht werden, die auf neurologische Erkrankungen solcher Art spezialisiert sind. Nicht heilbar ist akinetischer Mutismus beispielsweise bei bösartigen Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden können oder sich zu schnell und großflächig im Körper ausbreiten. Bei Krankheitsursachen, wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine Heilung so gut wie ausgeschlossen. Hierbei kommt es meist innerhalb weniger Monate zum Tod der Betroffenen, das letzte Stadium der Krankheit ist meist das Einsetzen des akinetischen Mutismus.

Auch beim Einsetzen in Folge von Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Traumata kann es zum Tod kommen. Zur Behandlung von Schlaganfällen setzen Ärzte auf eine selbstständige Erholung oder auf Verschreibung von bestimmten Medikamenten, wie Gerinnungshemmer. Gutartige oder bösartige entfernbare Tumoren werden häufig nach ihrer Entfernung mit Strahlen therapiert. Um des Weiteren Hirndruck aufgrund von Hydrozephalus oder weiteren Krankheitsursachen zu verringern, werden Medikamente hinzugezogen.

In manchen Fällen muss der Betroffene sich einer Entlastungskraniektomie unterziehen, bei der Teile des Gehirns operativ entfernt werden. Bei erfolgreicher Reduzierung des Gehirndrucks oder bei absehbarer Heilung, werden die entfernten Gehirnteile meist wieder eingefügt. Die Forschung zu akinetischem Mutismus berichtet immer wieder darüber, dass bei erfolgreich überstandener Behandlung oder Therapie die Betroffenen und deren Immunsystem sich schnell wieder erholen. Auch ihre Triebe zu sprechen und sich zu bewegen erhalten die Patienten in schnellster Zeit wieder zurück.



Vorbeugung

Auch bei der Vorbeugung von akinetischem Mutismus gilt, dass sie von der Krankheitsursache abhängig ist. Nicht vorbeugbar sind häufig Tumore im Bereich des Gehirns oder Krankheiten, wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Diese Krankheit ist genetisch bedingt und wird durch so genannte Prione – krankmachende Proteine – hervorgerufen. Ebenso wenig sind Hydrocephalus oder Schädelhirntraumata vorbeugbar. Präventive Maßnahmen können aber gegen Schlaganfälle getroffen werden, wie zum Beispiel durch ausreichende körperliche Betätigung oder gesunder Ernährung, um Cholesterin, Bluthochdruck oder Übergewicht zu vermeiden. Auch der Verzicht von Alkohol und Zigaretten hilft zur Vorbeugung.

Bücher über psychische Störungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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