Agosnie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. September 2016
Gesundpedia.deSymptome Agosnie

Bei einer Agosnie handelt es sich um ein neuropsychologisches Symptom. Es ist auf eine Beeinträchtigung der Verarbeitung von Informationen im Gehirn zurückzuführen. Mögliche Ursachen einer Agosnie sind zum Beispiel Funktionsausfälle in bestimmten Bereichen des Hirns. Eine Behandlung der seltenen Erkrankung läuft in den meisten Fällen auf Kompensationsstrategien heraus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Agosnie?

Die Bezeichnung Agosnie stammt aus dem Griechischen und steht dort für ‚Nichtwissen‘. Der Begriff wird mit dieser Bedeutung zum Beispiel auch in der Philosophie angewendet. Im medizinischen Kontext bezeichnet die Agosnie jedoch ein spezielles neuropsychologisches Symptom, das überaus selten vorkommt. Im Rahmen einer Agosnie funktioniert die Verarbeitung von Informationen im Gehirn nicht mehr auf die übliche Weise. Das seltene Phänomen kommt in der Regel nach uni- oder bilateralen Läsionen in speziellen Arealen des Hirns vor. Kennzeichnend für eine Agosnie ist, dass die betroffenen Patienten zwar in der Lage sind, sämtliche Objekte in ihrer Umgebung über die Sinnesorgane wahrzunehmen. Jedoch können die Personen diese Objekte bzw. die Wahrnehmungen nicht mehr korrekt zuordnen oder benennen.

Es ist den Betroffenen nicht mehr möglich, Dinge zu erkennen, wenngleich kognitive Störungen, sensorische Defekte oder Störungen der Aufmerksamkeit nicht vorhanden sind. Der Begriff Agosnie wurde ursprünglich von Sigmund Freud in die Medizin eingeführt. Er verstand darunter die Unfähigkeit, gesehene Objekte ihrer Bedeutung zuzuordnen, während das Sehvermögen unbeeinträchtigt ist. Freud zufolge zählen zur Agosnie auch die sogenannte Seelenblindheit sowie die Rindenblindheit. Die Rindenblindheit ist eine spezielle Form der Blindheit, die trotz gesunder Augen infolge eines Funktionsverlusts der Sehrinde im Hirn auftritt. Im Rahmen einer Seelenblindheit werden Objekte zwar gesehen, können jedoch nicht mehr richtig zugeordnet werden. In der heutigen Zeit wird die Bezeichnung Agosnie für sämtliche Ausfälle von Sinnesmodalitäten angewendet.

Ursachen

Potentielle Ursachen für die Entstehung einer Agosnie sind vielfältig. Im überwiegenden Teil der Fälle tritt die Agosnie infolge der Zerstörung spezieller Bereiche des Gehirns auf. Die beschädigten Hirngegenden sind für bestimmte Informationsprozesse verantwortlich. In Abhängigkeit des beeinträchtigten Bereichs treten damit verbundene Störungen auf. Die verantwortlichen Läsionen am Hirn können zum Beispiel durch Hirntumoren, Hirnverletzungen, Schlaganfälle oder Infekte in der Nähe der Hirnhäute oder am Gehirn auftreten.

Darüber hinaus sind mitunter auch schwere psychische Krankheiten für die Entstehung einer Agosnie verantwortlich. Ist der hintere Bereich des Großhirns im Areal des Okzipitallappens beeinträchtigt, ist in der Folge eine visuelle Agosnie möglich. Denn in diesem Bereich erfolgt die visuelle Informationsverarbeitung. Wenn es in den hinteren Schläfenlappen zu Schädigungen kommt, entwickelt sich in der Folge in vielen Fällen eine akustische Agosnie. Ist der sogenannte Parietallappen beeinträchtigt, kommt es oftmals zu einer Autotopagosnie. Im Rahmen dieser Erkrankung ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage, am eigenen Körper auftretende Hautreize zu lokalisieren.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Zur Diagnose einer Agosnie stehen zahlreiche verschiedene Methoden der Untersuchung zur Verfügung, über deren Einsatz der behandelnde Arzt je nach Einzelfall entscheidet. Da es verschiedene Arten von Agosnien gibt, hat der Arzt die vorliegenden Symptome zunächst einer Form zuzuordnen. Die typischen Symptome und Beschwerden der Agosnie geben dem Arzt Hinweise darauf, welche Areale des Gehirns von der Störung betroffen sind. Zu diesem Zweck werden diverse Tests durchgeführt, die bestimmten Sinnesbereichen zugeordnet sind.

Prinzipiell erfolgt eine Unterteilung in akustische, visuelle, räumliche oder taktile Agosnien. Zusätzlich existieren die Anosogosnie sowie die Autotopagosnie. Eine visuelle Agosnie zum Beispiel wird wiederum in diverse Unterkategorien eingeteilt. Die Prosopagosnie ist eine Störung der Gesichtswahrnehmung. Hierbei ist der betroffene Patient nicht in der Lage, die Gesichter ihm bekannter Personen zu erkennen. Stattdessen erfolgt die Erkennung der Personen zum Beispiel über die typische Gangart oder die Stimme. Ebenfalls zu dieser Kategorie zählt die sogenannte apperzeptive Agosnie. Dabei nimmt die betroffene Person zwar Einzelelemente wahr, kann diese jedoch nicht zu einem sinnvollen Gesamtbild zusammenfügen.

Bei einer assoziativen Agosnie kann die betroffene Person zwar das Gesamtobjekt hinsichtlich Gestalt und Form erkennen, jedoch dessen Funktion nicht zuordnen. Im Rahmen einer Farbagosnie sind die Betroffenen nicht in der Lage, Farben zu erkennen. Bei einer akustischen Agosnie hören die Betroffenen Geräusche, können diese jedoch nicht zu sinnvollen Worten oder zusammenhängenden Sätzen zueinanderfügen. Können sich Menschen im Raum nicht mehr orientieren, so wird dies als räumliche Agosnie bezeichnet. Im Rahmen einer taktilen Agosnie können Objekte, die ertastet werden, nicht korrekt zugeordnet werden. Werden Funktionsausfälle von eigenen Organen oder Körperteilen nicht erkannt, handelt es sich um eine Anosogosnie. Dabei hat der Patient das Gefühl, dass ausgefallene Körperteile noch immer funktionstüchtig sind. Aus diesem Grund setzt die Person die entsprechenden Körperteile auch ein, wodurch es unter anderem zu Stürzen kommen kann.

Behandlung und Therapie

Spezifische Therapiemethoden für Agosnien existieren nicht. Sind die verantwortlichen Läsionen in einem speziellen Bereich des Gehirns zum Beispiel durch einen Schlaganfall entstanden, bessert sich der Zustand teilweise mit der Zeit von selbst. Dies ist allerdings vom Ausmaß und der Lokalisation der Läsion sowie dem Alter des betroffenen Patienten abhängig. In der Regel erfolgen innerhalb der ersten drei Monate die größten Verbesserungen.

Oftmals kommt es jedoch zu bleibenden Behinderungen. Mittels Ergotherapie soll die Agosnie durch andere Funktionen weitgehend kompensiert werden. Prinzipiell kann die Ergotherapie bei sämtlichen Formen der Agosnie zum Einsatz kommen. Dabei wird von der Tatsache profitiert, dass meist nur selektive Ausfälle im System für Informationsverarbeitung im Hirn vorliegen.



Vorbeugung

Wirksame Maßnahmen zur Prävention einer Agosnie sind nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung nicht bekannt. Von umso größerer Bedeutung ist es, bei typischen Anzeichen und Beschwerden einer Agosnie umgehend einen Arzt zu konsultieren. Denn je zeitiger die Agosnie diagnostiziert wird, umso eher kann eine adäquate Therapie eingeleitet werden.

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