Aerophagie (Luftschlucken)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Mai 2016
Gesundpedia.deSymptome Aerophagie (Luftschlucken)

Die Aerophagie (Luftschlucken) ist gekennzeichnet durch eine verstärkte Aufnahme von Luft über den Mund in den Verdauungskanal. Dabei kommt es zur Ansammlung der Luft im Magen und Darm, was zu unangenehmen Beschwerden führen kann. Bei Babys ist eine Aerophagie jedoch physiologisch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aerophagie (Luftschlucken)?

Der Begriff Aerophagie kommt aus dem Lateinischen und bedeutet nach strenger Übersetzung "Luftfressen". Damit wird bereits ausgesagt, dass die Luft über den Mund aufgenommen und verschluckt wird. Die dabei entstehenden Gasansammlungen im Magen-/Darmkanal vermitteln oft ein Gefühl des Aufgeblähtseins und des Völlegefühls.

Luftschlucken ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang, der beim Essen und Sprechen immer auftritt. Meist gleichen sich Luftaufnahme und Luftabgabe miteinander aus. Findet jedoch eine überproportionale Luftzufuhr ohne eine ausreichende Luftabgabe statt, kommt es zu Blähungen und Völlegefühl. Bei Neugeborenen ist eine Aerophagie jedoch in den ersten Lebensmonaten immer anzutreffen.

Ursachen

In ihrer normalen Ausprägung besitzt die Aerophagie (Luftschlucken) keinen Krankheitswert. Das Verschlucken von Luft kann man nicht verhindern. Eine über das normale Maß hinausgehende Aerophagie erzeugt infolge der auftretenden unangenehmen Symptome, wie Blähungen, Völlegefühl und häufiges Aufstoßen einen gewissen Leidensdruck. Andererseits wird die verstärkte Aufnahme von Luft auch durch psychologische Prozesse hervorgerufen, die häufig aus einer inneren Unzufriedenheit resultieren.

So ist ein Mensch, der im wahrsten Sinne des Wortes alles in sich hineinfrisst, besonders gefährdet, eine ausgeprägte Aerophagie zu entwickeln. Die auftretenden Symptome des Luftverschluckens verstärken wiederum die innere Unzufriedenheit und Reizbarkeit, sodass sich ein Teufelskreis herausbilden kann. Dazu gehört auch das schnelle Verschlingen großer Mengen von Nahrungsmitteln, wobei immer auch Luft mit verschluckt wird.

Auch bei falscher Atemtechnik, beim schnellen Sprechen und in der Folge eines angespannten Zustandes werden unbemerkt größere Mengen an Luft aufgenommen. Kohlensäurehaltige Getränke können ebenfalls zur Ansammlung von Gas im Magen-/Darmbereich führen. Durch Aufstoßen, Abgang von Darmwinden und Aufnahme der Gase im Blut wird die zu viel aufgenommene Luft in der Regel wieder abgeführt. Wenn jedoch diese Prozesse durch ein Zuviel der Aufnahme von Luft nicht mehr ausreichen, erhält die Aerophagie einen gewissen Krankheitswert.

Diagnose und Verlauf

Die Aerophagie zeichnet sich häufig durch starke Blähungen, Bauchschmerzen, Reizbarkeit, Aufstoßen und häufigen Abgang von Darmwinden aus. Die Erkrankung ist harmlos, aber oft sehr unangenehm. Die starken Blähungen können auch auf die Lunge drücken und damit Atembeschwerden auslösen. In seltenen Fällen kann die Luftansammlung jedoch so stark sein, dass es zum Reißen der Speiseröhre kommt. Bei Kleinkindern ist bei einer stark ausgeprägten Aerophagie auch ein Darmverschluss möglich.

Die Diagnose einer erhöhten Gasansammlung im Darm (Blähung) ist schnell gestellt. Um ihre Ursache festzustellen, sind jedoch häufig vielfältige differenzialdiagnostische Schritte notwendig. Blähungen sind ja nicht nur die Folge erhöhter Luftzufuhr, sondern auch durch eine verstärkte Gasbildung im Darm möglich. Sie können durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gärungs- und Fäulnisprozesse und auch schwerwiegende Grunderkrankungen hervorgerufen werden.

Um eine zielführende Therapie beginnen zu können, müssen die Ursachen differenzialdiagnostisch ermittelt werden. Dabei beginnt eine Diagnose immer mit einer Anamnese der Krankengeschichte. Es folgen labortechnische Untersuchungen und bei Bedarf werden bildgebende Verfahren eingesetzt. Wird bei diesen Untersuchungen eine nennenswerte Gasbildung im Darm ausgeschlossen, deutet dies auf eine Aerophagie hin.

Behandlung

Steht die Diagnose Aerophagie (Luftschlucken) fest, ist als nächster Schritt die Ermittlung der Gründe für das verstärkte Luftschlucken notwendig. Die Behandlung erfolgt zweigleisig. Zunächst werden gegebenenfalls durch eine medikamentöse Therapie die akuten Beschwerden der starken Blähungen gelindert. Dabei wird zwar die Luft aus dem Verdauungstrakt entfernt, wobei die Ursachen der Aerophagie aber noch nicht verschwinden.

Wichtiger ist es jedoch für den Betroffenen, mithilfe des Arztes eine Strategie zu entwickeln, bestimmte Verhaltensweisen in Bezug auf Nahrungsaufnahme, Atemtechnik oder Stressreaktion zu verändern. Oftmals ist es auch wichtig, im Rahmen einer Psychoanalyse die wahren Gründe für die allgemeine Nervosität des Betroffenen zu ermitteln.

Logopädische Übungen können helfen, die übermäßige Aufnahme von Luft beim Sprechen zu reduzieren. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen unterstützen Betroffene häufig bei notwendigen Verhaltensänderungen. Da die Ursachen für eine Aerophagie vielfältig sind, müssen die Maßnahmen zu deren Behandlung individuell abgestimmt werden.



Vorbeugung

Es gibt einige Maßnahmen, um eine Aerophagie zu vermeiden. Beim Essen sollte man darauf achten, die Portionen nicht zu schnell und zu hastig zu verschlingen.

Das Trinken von großen Mengen an kohlesäurehaltigen Getränken sollte eingeschränkt werden. Diese führen nämlich zu einer verstärkten Freisetzung von Kohlendioxid im Magen.

Da Stress häufig ein Faktor für verstärktes Luftschlucken ist, werden Stress reduzierende Maßnahmen, wie körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung und Entspannungsübungen empfohlen. Um neben einer Aerophagie andere Ursachen ausschließen zu können, sollte jedoch bei hartnäckigen Blähungen immer ein Arzt aufgesucht werden.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Dienhold kommentierte am 04.11.2014 um 20:23 Uhr

Hallo, ich leide sehr stark unter Aufstoßen, besonders zur Nachtzeit. Mehrmals kann/muss ich mehrere Minuten lang Luft ausstoßen. Ich bin Rentner, habe keinerlei seelische Probleme, esse geruhsam und auch nicht hastig. Diese enormen Luftansammlungen im Bauch erzeugen starke Schlafstörungen mit Angstgefühlen, so wie man es auch beim sog. Roemheld-Syndrom nachlesen kann! Eine Nebenerscheinung unter anderem ist eine beschleunigte Herzfrequenz. Ich muss nachts mehrmals aufstehen um die Luft auszustoßen. Wo mag nur die Ursache für diese Erkrankung liegen? Ergänzend möchte ich bemerken, dass ich zweimal pro Woche ins Fitness-Studio gehe und viel wandere. Dank für eine Antwort!

Lutz kommentierte am 26.04.2015 um 12:13 Uhr

Seit etwa 3 Jahren leide ich an einer Aerophagie. Ich habe bereits Ostheopathie, Magen- und Darmspiegelungen sowie einen zweitägigen stationären Aufenthalt in dem auf Magen-Darm-Krankheiten spezialisierten Martin-Luther-Krh. Berlin mit umfangreichen Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts hinter mir. Alles ohne Befund. Auch der Verzicht auf Kaffee hat nicht geholfen. Etwas Erleichterung bringen Yoga-Atemübungen. Allerdings schlucke ich auch während des Schlafens ständig Luft, was morgens zu häufigem und heftigem Aufstoßen führt. Kann mir bitte jemand einen Therapievorschlag machen?

Armin kommentierte am 08.07.2016 um 17:58 Uhr

Bin schon ein Leben lang Luftschlucker. Esse sehr langsam, habe Normalgewicht und lebe seit 3 Jahren/Witwer, alleine. Also kein Luftschlucken durch Reden. Bin nun 78 Jahre und schon über 20 Jahre herzkrank, was in den letzten Jahren durch den hohen Zwerchfellstand begünstigt wird und dadurch die Luft knapp wird. Dagegen nahm ich bisher/Blähungen, Simethikon. Leider helfen diese seit 3 Monaten auch nicht mehr. Neige allerdings auch zu hausgemachten Stress. Für einen Rat wäre ich sehr dankbar.

Dagmar kommentierte am 24.08.2016 um 19:26 Uhr

Ich habe ein Problem mit Luftschlucken. Ich leide unter Reflux und unter Schlafapnoe. Gegen die Apnoe nutze ich nachts eine Schlafmaske, die für ständige Luftzufuhr sorgt. Jetzt habe ich immer öfter einen richtig dollen Blähbauch, muss ewig aufstoßen und leide unter abgehenden Winden. Was kann ich tun? Ich fühle mich richtig schlecht. Da ich auch eine Trichterbrust habe, bekomme ich durch die Blähungen schlecht Luft und habe keinen Platz für die Nahrungsaufnahme. Also Mist auf der ganzen Linie. Wer kann mir helfen?

aira kommentierte am 14.09.2016 um 21:48 Uhr

Ich habe auch schon in jungen Jahren Luft geschluckt. Bin ein nervöser Typ. Vor einigen Monaten hat man bei mir Schlafapnoe festgestellt. Seit ich nachts diese Schlafmaske tragen muss, hat das Luftschlucken lästige Ausmaße angenommen. Mich würde interessieren, ob diese Luftschluckerei ernste Nebenwirkungen haben kann. Zu sagen ist noch, dass ich mit der Maske doch erholter aufwache, obwohl ich sie oft mitten in der Nacht entfernen muss, weil Magengegend und Bauch voller Luft und hart gespannt sind. Hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich wäre dankbar für Tipps.