Abszess im Intimbereich

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Juni 2017
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Obwohl Abszesse theoretisch an jeder Körperstelle entstehen können, legen medizinische Studien nahe, dass bestimmte Körperbereiche häufiger Abszesse entstehen lassen als andere. Der Intimbereich ist eine Körperregion, die sehr stark beansprucht wird und dementsprechend Angriffen von Viren und Bakterien ausgesetzt wird. Ein Abszess im Intimbereich stellt zudem eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Laufen und Sitzen können beeinträchtigt sein und natürlich das Sexualleben. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass der Abszess sich ausbreitet und zu einer lebensbedrohenden Blutvergiftung wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Abszess im Intimbereich?

Abszesse sind mit Eiter und abgestorbenen Zellen gefüllte Hohlräume im Gewebe. Der Körper hat in einer Immunreaktion diese Bereiche mit einer Membran umgeben, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Abszesse können oberflächennah auftreten oder sehr tief im Körpergewebe vorliegen. Im Intimbereich sind vor allem oberflächennahe Abszesse anzutreffen. Sie werden von den Medizinern auch als Furunkel bezeichnet.

Allerdings sind auch tiefer im Gewebe liegende Abszesse belegt. Aufgrund ihrer Lage und ihrer Beständigkeit können sie die Lebensqualität des Patienten sehr stark beeinträchtigen. Unbehandelte Abszesse stellen aber auch aus gesundheitlicher Sicht ein sehr starkes Risiko dar, denn es besteht die Gefahr der Ausbreitung. Abszesse im Intimbereich können in die Bauchhöhle streuen. Es besteht auch die Gefahr, dass sich der Eiter in die Blutbahn ergießt. Dann kommt es zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung.

Ursachen

  Abszesse entstehen durch Bakterien. Der menschliche Intimbereich gehört zu den am stärksten geforderten Körperstellen überhaupt. Scheuernde Kleidung, Schweiß und starker Haarwuchs können die Haut schwächen oder sogar schädigen. Auch zu enge Kleidung kann einen Abszess hervorrufen. Krankheiten sind ebenfalls Ursachen für die Besiedlung dieser Region mit Bakterien. So können Entzündungen im Nieren-, Harn- und Darmbereich zu einer Ausbreitung der Bakterien führen.

Die häufigste Ursache sind jedoch Talgentzündungen an den Haarwurzeln des Schamhaarbereiches. Die Bakterien, seltener Viren, können die beschädigte Haut durchdringen und sich im Körpergewebe ansiedeln. Hier beginnen sie, das Gewebe zu zersetzen. Der Körper antwortet mit einer Immunreaktion und Weiße Blutkörperchen ausschütten, um die Bakterien zu bekämpfen. Dabei entsteht Eiter, der dann mittels einer Membran eingekapselt wird. Die Kapsel kann so einige Zeit bestehen. Die Bakterien können aber auch in benachbartes Gewebe durchbrechen und dort zur Entstehung neuer Abszesse führen.

Gerade im Intimbereich, der durch die Kleidung sehr stark erwärmt ist, finden sich gute Lebensbedingungen für die Bakterien. Der Abszess kann auch ins Körperinnere streuen, wo er schwere Vergiftungen bewirken kann oder auch Organe zu schädigen vermag. Ein Abszess heilt in der Regel nicht von alleine ab, es sei denn, der Eiter kann abfließen. Dabei besteht aber die Gefahr einer Verschleppung. Deswegen ist bei einem Verdacht auf einen Abszess sofort ein Arzt aufzusuchen.

Wann zum Arzt?

Treten Schmerzen oder eine gereizte Haut nach einem intensiven sexuellen Erlebnis auf, muss kein Arzt aufgesucht werden. Häufig ist die Region überempfindlich und benötigt einige Tage der Ruhe und Regenerierung. Heilen Risse oder Schwellungen im Intimbereich bereits innerhalb weniger Stunden, ist künftig mehr Sorgfalt geboten, aber ein Arzt wird im Normalfall nicht benötigt.

Kommt es zu einer anhaltenden oder plötzlichen Schwellung ohne einen ersichtlichen Grund, ist ein Arztbesuch notwendig. Entstehen dadurch Probleme beim Wasserlassen, Stuhlgang oder bei sexuellen Aktivitäten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Beschwerden beim Sitzen, Fahrradfahren oder der allgemeinen Fortbewegung sind ebenfalls von einem Arzt abzuklären. Bildet sich Eiter, kommt es zu Fieber oder einem allgemeinen Unwohlsein, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren.

Abgeschlagenheit, Hautveränderungen oder eine Zunahme der Beschwerden müssen ärztlich untersucht und behandelt werden. Wird der Toilettengang durch den Abszess im Intimbereich länger als einen Tag vermieden, muss ein Arzt aufgesucht werden. Es bilden sich Keime und weitere Erkrankungen stellen sich ein, wenn keine medizinischen Maßnahmen ergriffen werden. Vergrößert sich die Schwellung oder der Abszess und kommt es zu einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes, muss ein Arzt aufgesucht werden. Stellen sich Stimmungsschwankungen, Verhaltensänderungen oder Ängste ein, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome eines Abszesses im Intimbereich:

Abszesse lassen sich sehr leicht erkennen, wenn sie oberflächennah entstehen. Die Haut ist sehr stark gerötet und eventuell schaut der Eiterbeutel als „Pickel“ auch aus dem Gewebe heraus. Normale Pickel oder andere Hauterkrankungen führen zu keinen solchen Rötungen. Der Eiterbeutel lässt sich schwer öffnen, was ihn von den normalen Aknepickeln unterscheidet. Der Beutel kann ertastet werden, ist aber sehr druckempfindlich Ein sehr starker pochender Schmerz geht von ihm aus.

Die Region fühlt sich auch sehr warm an. Liegt der Abszess weiter im Inneren des Körpers lässt er sich nur schwer erkennen. Hier können nur weitere Symptome als Indizien auf die Existenz eines Abszesses schließen. So führt der Abszess häufig zu hohem Fieber sowie einer allgemeinen Mattheit und Ermüdung des Patienten. Je nach Lage im Intimbereich fällt das Gehen oder Sitzen schwer. Die Hüfte lässt sich nur schwer bewegen. Sind zudem noch starke Schmerzen zu verspüren, kann es sich um einen Abszess handeln. Klarheit kann dann nur ein Arztbesuch bringen.

Diagnose

Bei einem direkt unter der Haut liegenden Eiterbeutel kann der Arzt schnell durch Blickdiagnose erkennen, ob es sich um einen Abszess handelt. Er kann die Region auch durch Tasten sondieren. Liegt der Abszess tief, wird der Arzt zuerst das Blutbild untersuchen, um festzustellen, ob eine Infektion vorliegt. Ist dies der Fall, kann er unterschiedliche Sondierungsmethoden verwenden, um den Abszess zu lokalisieren. Am häufigsten werden die Computertomographie und die Ultraschallmethode verwendet, um ein genaues Bild des Bereiches zu ermitteln. Der Arzt kann auf diese Weise den Abszess direkt lokalisieren. Er kann dabei auch erkennen, ob sich eine Fistel gebildet hat oder nicht. Dies wird die Behandlung beeinflussen. Während der Untersuchung werden auch weitere Tests und Patientengespräche geführt, um die möglichen Ursachen für diesen Abszess zu bestimmen.

Komplikationen

Ein Abszess im Intimbereich ist in den meisten Fällen ein Krankheitsbild, das gleichzeitig mit vielen verschiedenen und auch ernsthaften Komplikationen verbunden ist. Bei einem Abszess ist generell höchste Vorsicht geboten, denn bei einer Nichtbehandlung drohen schwerwiegende Komplikationen. Liegt nun ein Abszess vor und wird dieser nicht behandelt, dann kann es unter Umständen zu einer Blutvergiftung kommen. Im Inneren des Abszesses baut sich ein Druck auf, da die darin befindliche Eiterflüssigkeit nicht richtig abfließen kann. Wenn der Druck zu groß wird, gelangen die Bakterien direkt in den Blutkreislauf, sodass es zu einer schweren Blutvergiftung kommen kann.

Wer sich allerdings frühzeitig in ärztliche Behandlung begibt, der kann diese Komplikation ganz einfach vermeiden. Mit entsprechenden Medikamenten kann der Abszess innerhalb kurzer Zeit gelindert und beseitigt werden. Es kann jedoch auch im späteren Heilungsverlauf zu Komplikationen kommen. Da es sich bei einem Abszess um eine offene Wunde handelt, sollte diese natürlich auch entsprechend gepflegt und sauber gehalten werden. Wird die Hygiene an dieser Stelle vernachlässigt, dann kann es wiederholt zu einer Entzündung samt Eiterbildung kommen. Bei ersten Anzeichen einer Entzündung sollte natürlich so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Nur so können ernsthafte Komplikationen vermeiden bzw. früh genug erkannt und entsprechend behandelt werden.

Behandlung und Therapie

Oberflächennahe Abszesse im Intimbereich können durch Zugsalben behandelt werden. Diese lassen den Abszess stark reifen. Er öffnet sich schnell von selber nach außen. Allerdings besteht hier die Gefahr der Verschleppung. In den meisten Fällen wird der Arzt zu einem kleinen operativen Eingriff raten. Er wird je nach Lage des Abszesses mit einer lokalen Betäubung oder unter Vollnarkose erfolgen.

Bei dem Eingriff öffnet der Arzt durch eine Punktierung den Eiterbeutel und lässt den Eiter auslaufen. Danach säubert er den Bereich und entfernt das abgestorbene Gewebe. Schließlich spült er den Hohlraum mit antibakteriellen Mitteln. Um ein erneutes Aufflammen zu verhindern, wird er die Wunde nicht vernähen, sondern offen lassen. Eine kleine Drainage hilft, den sich bildenden Eiter ausfließen zu lassen. Die Wunde ist nicht groß, so dass nur eine kleine Narbe bleiben wird.

Nach knapp zwei Wochen hat sich die Wunde geschlossen. Ist der Abszess bereits fortgeschritten, kann auch ein stationärer Aufenthalt erfolgen, bei dem antibakterielle Infusionen gegeben werden. Nach erfolgter Behandlung können noch weitere Eingriffe erfolgen, um die Ursachen für den Abszess im Intimbereich zu beseitigen. Aufgrund der Disposition dieser Körperstelle ist es aber nicht auszuschließen, dass sich auch später erneut Abszesse bilden können.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist nur bedingt möglich. Ein gesundes Immunsystem durch Sport und gesunde Ernährung, hilft dem Körper, den Kampf gegen die Bakterien aufzunehmen. Der Intimbereich sollte täglich gewaschen werden. Das Tragen von zu enger Kleidung kann die Haut schädigen. Bei Intimrasur ist es ratsam, den Bereich danach mit einem desinfizierenden Mittel zu reinigen, um ein Eindringen der Bakterien zu vermeiden.

Bücher über Abszesse

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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