Ösophagusvarizen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. Oktober 2015
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Unter Ösophagusvarizen werden erweiterte Venen innerhalb der Speiseröhre verstanden. Sie entstehen im Rahmen von verschiedenen Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ösophagusvarizen?

Bei Ösophagusvarizen handelt es sich um Krampfadern des Ösophagus (Speiseröhre). Sie kommen durch eine portale Hypertension zustande und zeigen sich bei Erkrankungen wie einer Leberzirrhose, Herzschwäche oder Geschwülsten an der Pfortader bzw. der Milzvene. Als besonders bedenklich werden Blutungen der Ösophagusvarizen eingestuft. So stellen diese einen lebensgefährlichen medizinischen Notfall dar. Bei rund 50 Prozent aller Menschen, die an einer Leberzirrhose erkrankt sind, treten Ösophagusvarizen auf. Bei etwa 30 Prozent besteht ein verstärktes Risiko auf eine Varizenblutung.

Ursachen

Bei gesunden Menschen fließt das venöse Blut von Gallenblase, Magen, Milz und Darm über die Vena portae (Pfortader) in Richtung Leber. Von der Leber aus gelangt es schließlich in die untere Hohlvene. Kommt es durch eine Erkrankung wie eine Leberzirrhose zu einer Behinderung des Blutflusses, hat dies eine portale Hypertension zur Folge. Dabei handelt es sich um einen Anstieg des Blutdrucks innerhalb der Pfortader. Über Verbindungen zwischen der Pfortader sowie den Hohlvenen, die portokavale Anastomosen genannt werden, erfolgt dann das Umgehen der Leber, wodurch das Blut direkt in die Hohlvenen gelangt.

Portokavale Anastomosen befinden sich in der Bauchwand, dem Rektum sowie dem Magen und der Speiseröhre. Im Falle eines erhöhten Blutdrucks in der Pfortader erweitern sich die Anastomosen in der Speiseröhre zu Ösophagusvarizen. Eine Leberzirrhose, die zu den Hauptursachen von Ösophagusvarizen zählt, ist in der Hälfte aller Fälle die Folge von exzessivem Alkoholkonsum. Als weitere Auslöser kommen eine Entzündung der Leber wie Hepatitis B, Hepatitis C bzw. Hepatitis D oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Methotrexat infrage.

Ebenfalls zu den Ursachen gehören toxische Stoffe wie Arsen oder Tetrachlorkohlenstoff, Tropenkrankheiten wie Leberegel oder Bilharziose, Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose oder Morbus Wilson sowie eine chronische Rechtsherzinsuffizienz. Tritt eine Blutung der Ösophagusvarizen auf, besteht eine Wahrscheinlichkeit von ca. 70 Prozent, dass es später zu einem Rezidiv kommt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Ösophagusvarizen:

Die Symptomatik fällt bei Ösophagusvarizen nicht eindeutig aus und zeigt sich unspezifisch. Nicht selten leiden die betroffenen Personen unter Völlegefühl oder einem Druck im Oberbauch. Als klare Hinweise auf eine portale Hypertension gelten Aszites (Bauchwassersucht) oder Leberhautzeichen, die im Rahmen einer Leberzirrhose vorkommen. Ein weiteres Indiz für eine portale Hypertonie ist eine Splenomegalie. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Vergrößerung der Milz.

Eine gravierende Komplikation stellt die Ösophagusvarizen-Blutung dar. Diese kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod des Betroffenen führen. Eine Ösophagusvarizen-Blutung zählt zu den häufigsten Todesursachen bei einer Leberzirrhose. Im finalen Stadium der Leberzirrhose enden 50 Prozent aller Varizenblutungen mit dem Tod. Kommt es zu einem Riss der Ösophagusvarizen, hat dies ein abruptes heftiges Erbrechen von Blut zur Folge.

Selbst wenn eine Stillung der Ösophagusvarizen-Blutung stattfindet, nehmen rund 30 Prozent aller Fälle einen tödlichen Verlauf. Grund dafür sind in der Regel eine Sepsis, die mit Multiorganversagen einhergeht, eine schwere Leberinsuffizienz oder eine Pneumonie. Selbst wenn die erste Blutung überstanden ist, kommt es später bei einem Drittel aller Betroffenen zum Tod durch Rezidivblutungen.

Diagnose

Die Diagnose von Ösophagusvarizen wird durch eine Ösophagogastroduodenoskopie vorgenommen. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung mit einem speziellen Endoskop. Weitere Hinweise liefert das vorliegende Krankheitsstadium. So werden die klinischen Schweregrade in die Stadien I bis IV eingeteilt. Während in Stadium I sackartige Erweiterungen der Venen bestehen, die bei einer endoskopischen Luftinsufflation zurückgehen, verschwinden in Stadium II die Erweiterungen nicht.

In Stadium III kommt es zu einer zunehmenden Stenose des Ösophaguslumens. Diese Verengung kann bis zu 50 Prozent betragen. Außerdem liegen Epithelschädigungen vor. Stadium IV ist durch das komplette Ausfüllen des Ösophaguslumens durch Varizenstränge gekennzeichnet. Darüber hinaus treten umfangreiche Schleimhauterosionen auf.

Behandlung und Therapie

Zeigt sich eine Ösophagusvarizen-Blutung, muss der Patient auf einer Intensivstation behandelt werden, um die Blutung zu stillen. Als Therapiemaßnahmen kommen eine Ligatur der Varizen mit einem Gummiband, eine Varizenverödung durch eine Unterspritzung oder eine Histoacryl-Injektion in Betracht. Für den Fall, dass sich die Varizen nicht mit einem Endoskop behandeln lassen, kann eine Ballonsonde durch Kompression zur Anwendung kommen, um die Blutung zum Stillstand zu bringen. Dazu gehören u. a. die Linton-Nachlas-Sonde sowie die Sengstaken-Blakemore-Sonde.

Als weitere allgemeine Therapiemaßnahmen erfolgen eine endotracheale Intubation, um der Aspirationsgefahr entgegenzuwirken, das Monitoring der vitalen Funktionen, das Verabreichen von Antibiotika gegen eine Sepsis sowie eine Volumengabe. Damit es nicht zu einer Ösophagusvarizen-Blutung kommt, muss die Ursache der portalen Hypertension behandelt werden, was allerdings nicht in jedem Fall möglich ist.

Bei solchen Patienten wird lediglich eine symptomatische Behandlung durchgeführt. Medikamentös werden Spironolacton, Nitrate oder Betablocker verabreicht. Sie dienen dazu, den Druck im Portalkreislauf abzusenken. Außerdem können chirurgische Eingriffe erfolgen, um einen Shunt im Kreislauf anzulegen.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Ösophagusvarizen, ist es wichtig, die Grunderkrankung schon in einem frühen Stadium zu behandeln. Im Falle einer Leberzirrhose muss der Patient konsequent auf Alkohol verzichten.

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